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Jeremia 1,10 (+ Kapitel 1-6)

Vor einige Zeit haben wir in einem Hauskreis eine Bibelpassage gelesen, in der Gott sein Volk für seine Sünde bestraft hat. Doch aufgrund der Grausamkeit mit der Gott dort beschrieben wurde, meinte eine Teilnehmerin: „Der Gott an den ich glaube, der tut so etwas nicht!“. Diese Teilnehmerin hat ganz offensichtlich nicht an den Gott geglaubt, der in der Bibel beschrieben wird.

Durch Jeremia offenbart sich Gott nicht nur als der Gott, der auferbaut und neues Leben pflanzt – so wie wir das gerne in unseren Gemeinden hören. Sonder durch Jeremia offenbar sich Gott AUCH als derjenige, der „ausrottet und niederreißt“ und der „zerstört und abbricht“ (Jer 1,10).

Gott ist derselbe – Gestern, Heute und in Zukunft, oder? Wenn das so ist, dass gelten die Prinzipen, die Gott bei Israel angewendet hat auch heute noch für uns als neutestamentliche Gemeinde. Hier nun einige der Prinzipien, die in meinem Studium der ersten 6 Kapitel von Jeremia gelernt habe:

1) Gott hasst es, wenn wir als Menschen die „zweifache Sünde“ (Jer 2,13) begehen - unseren Gott auf der einen Seite nicht ernst zu nehmen und zu beachten UND gleichzeitig dabei unsere eigenen Lösungswege suchen und diesen nachgehen. Konkret heißt dass: Wir als Gläubige sind aufgefordert, nichts in unserem Leben zu tun oder zu entscheiden, ohne dabei nach dem Wille Gottes gesucht zu haben. Doch wie oft treffen wir unsere Entscheidungen ohne Gott dabei mit einzubeziehen. Wer seine Studiums-, seine Berufs- oder seine Partnerwahl ohne Gott trifft, der darf Gott nachher nicht dafür verantwortlich machen, wenn die Sachen schiefgehen.

2) Ein weiteres Prinzip, das mir heute Morgen ist Auge gefallen ist steht in Jer 1,28. Dort fragt Gott sein Volk ganz provokant: „Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Sie sollen dich aufmachen, wenn sie dich retten können zur Zeit deines Unglücks!“ Viele Menschen haben ihre modernen Götter. Ein typischer Gott unsere Zeit ist ganz sicher das Geld und die finanzielle Absicherung. Doch wie „stark dieser Gott der Moderne“ ist zeigt sich, wenn deine Lebenskatastrophe kommt. Gott rät: Ihr solltet euch solche Götter suchen, die euch in der Zeit des Unglücks helfen können.

3) Ein ganz wichtiges weiteres Prinzip für heute Morgen betrifft mein Verhältnis zur Umkehr zu Gott. Natürlich ist niemand perfekt; auch Christen sind nicht vollkommen. Und Gott weiß das und darum bietet er jedem Menschen sehr oft die Möglichkeit an, zu ihm umzukehren. Ich schreibe bewusst „sehr oft“, weil die Bibel auch deutlich macht, dass es ein zu Spät gibt (siehe Blog 2.Kö 23,26). Doch was Gott ganz und gar erzürnt ist ein Verhalten, dass wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Gott automatisch IMMER verzeiht. Nein … Gott macht durch Jeremia deutlich, dass er nicht bereit ist zu vergeben, wenn jemand auf die Gnade spekuliert und dabei weiterhin sündigt (Jer 3,5). Gott sieht ganz genau, was im Herzen eines Menschen vor sich geht und er weiß, ob die Vergebung ehrlich gesucht wird oder die Umkehr nur „zum Schein“ erfolgt (Jer 3,10).

Nur wer seine Schuld ehrlich erkennt, zugibt und dann die Umkehr sucht wird die Gnade Gottes erfahren – so zu mindestens schreibt es der Prophet Jeremia sehr deutlich (Jer 3,12-13). Es gilt, sein Herz „reinzuwachsen“ vor Gott – erst dann wir es Rettung von oben geben (Jer 4,14).

4) Ein viertes Prinzip betrifft den Zusammenhang zwischen meinen Taten und meinem Ergehen hier im Leben. Auch wenn „Leiden im Leben“ oft eine „Prüfung Gottes“ sein kann (siehe Hiob) und man nicht automatisch von „schlechten Lebensumständen“ auf „verlorenen Segen“ von oben schließen kann, so gilt doch umgekehrt auch die Tatsache, dass Sünde im Leben sehr wohl dazu führen kann, dass Gott seinen Segen wegnimmt.

Jeremia macht das sehr deutlich, in dem er dem Volk sagt: Euer Wandel und eure Taten haben euch die Katastrophe eingebracht, der König von Babel euch erobern, töten und wegführen wird (Jer 4,18). Ein wenig später schreibt Jeremia: Eure Missetaten haben verhindert, dass euch das Gute wiederfährt (Jer 5,25).

Fazit: An Gott zu glauben ist aus meiner Sicht kein Spiel für die Freizeit, sondern eine ganzheitliche Angelegenheit, in der Gott von uns Gehorsam, Konsequenz und Gradlinigkeit fordert. Israel dache: Hey, wir sind doch das erwählte Volk. Uns ganz doch eh nichts passieren. Gott ist noch eine „lieber Gott“, der immer gnädig und barmherzig ist. Doch dieses Gottesbild ist falsch. Denn Gott lässt sich nicht auf den Arm nehmen. Auch wir als Christen im Zeitalter der Gemeinden sollen unser Gottesbild den Beschreibungen der Bibel anpassen, anstatt uns ein Bild von Gott zu basteln, dass nicht passt.