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Entdecke den Heiligen Geist in dir und erlebe Ungewöhnliches mit Gott (Mk6,53-56)

Viele Christen sind von Theologien geprägt, die erklären, dass der Heilige Geist heute nicht mehr so wirkt wie zurzeit von Jesus. Doch stimmen solche Aussagen mit dem überein, was wir im Neuen Testament lesen?

Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie zum Land Genezareth und legten dort an. Und als sie aus dem Schiff traten, erkannten die Leute ihn sogleich, durchliefen die ganze umliegende Gegend und fingen an, die Kranken auf den Liegematten dorthin zu tragen, wo sie hörten, dass er sei. Und wo er in Dörfer oder Städte oder Gehöfte einkehrte, da legten sie die Kranken auf die freien Plätze und baten ihn, dass sie nur den Saum seines Gewandes anrühren dürften. Und alle, die ihn anrührten, wurden gesund. Mk6,53-56

Wer die Evangelien liest, der weiss, dass Jesus und später auch seine Apostel Kranke geheilt haben. Aber in diesem Text von heute kommt noch der Umstand hinzu, dass Jesus für einen Heilung nicht mal mehr etwas zu sagen brauchte. Es reichte schon, dass ein Kranker die Kleidung von Jesus anfasste, um wieder gesund zu werden. Die Wunderkraft von Jesus war also nicht an gewisse Handlungen, sondern an seine Person gekoppelt. Gerade auch das Markusevangelium schreibt häufiger von dieser Form der Heilung: Denn er (Jesus) heilte viele, sodass alle, die eine Plage hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn anzurühren. Und wenn ihn die unreinen Geister erblickten, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Mk3,10-11

Es reichte in der Tat aus, wenn Kranke Jesus anrührten. Ähnliches geschah bei dämonischer Belastung. Wenn ein Dämon Jesus nur sah, bekam er schon Panik. Ganz offensichtlich war in und um Jesus herum eine Aura von heilender und befreiender Kraft, die ganz selbstständig wirkte. Die Kraft Gottes floss im wahrsten Sinne des Worten aus ihm heraus: Und die ganze Volksmenge suchte ihn (Jesus) anzurühren, denn Kraft ging von ihm aus und heilte alle. Lk6,17-19

Das wird auch in der bekannten Geschichte von der Frau mit dem Blutfluss deutlich: Als sie (die kranke Frau) nun von Jesus hörte, kam sie unter dem Volk von hinten heran und rührte sein Gewand an. Denn sie sagte sich: Wenn ich nur sein Gewand anrühre, so werde ich geheilt! Und sogleich vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie merkte es am Leib, dass sie von der Plage geheilt war. Mk5,27-29

Es war nichts anderes nötig, als in die Nähe von Jesus zu kommen, um durch die von ihm ausfließende Kraft wieder gesund zu werden. Die Apostel erlebten später genau dasselbe: Durch die Hände der Apostel aber geschahen viele Zeichen und Wunder … sodass man die Kranken auf die Gassen hinaustrug und sie auf Betten und Bahren legte, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten auf einen von ihnen fiele. Apg5,12-16 Der Schatten von Petrus reichte aus, um Krankheiten und Dämonen zu vertreiben. Ähnliches erlebte auch Paulus in seinem Dienst: Und Gott wirkte ungewöhnliche Wunder durch die Hände des Paulus, sodass sogar Schweißtücher oder Gürtel von seinem Leib zu den Kranken gebracht wurden und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister von ihnen ausfuhren. Apg19,11-12

Ich finde, dass Lukas für diese Art der Heilung das richtige Wort benutzt hat – ungewöhnlich! Viele heutige Christen haben ja schon Mühe, überhaupt die Heilungs- und Wunderkraft Gottes in ihren Alltag mit einzubeziehen. Doch wenn es dann noch darum, geht, dass Gott auf so ungewöhnliche Weise heilt – durch Berührung, durch Nähe oder durch Gegenstände – dann haben Etliche keinen Zugang mehr zu diesen Dingen. Es verwundert also nicht, dass in vielen konservativen Gemeinden die Lehre vorherrscht, dass ein christlicher Dienst, der mit Zeichen und Wundern im Zusammenhang steht, in unserer Zeit aufgehört hat. Rein vom Neuen Testament her lässt sich eine solche Lehre aber nicht bestätigen. Denn Jesus selbst hatte nach seiner Auferstehung gesagt, dass sowohl die Jünger als auch diejenigen, die durch sie Gläubig werden sollten, mit Zeichen und Wundern unterwegs sein würden: Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung … Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. … Sie aber gingen hinaus und verkündigten überall; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden Zeichen. Mk16,15-20

Aus meiner Sicht ist es schwierig, diese Worte durch irgendwelche Theorien weg zu rationalisieren. Viel wahrscheinlicher ist, dass diese Zusage von Jesus auch für uns heute noch gilt und wir einfach nur verdrängt haben, welche Vollmacht auch in uns heute noch schlummert. Nicht umsonst betet Paulus ja darum, dass neue Gläubige möglichst schnell offene Augen für die Wunderkraft bekommen, die darauf wartet, eingesetzt zu werden: Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus … gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten an euch zu gedenken, dass der Gott … euch [den] Geist der Weisheit und Offenbarung gebe … damit ihr wisst … was auch die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung in uns ist, die wir glauben, gemäß der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er wirksam werden lassen in dem Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte … Eph1,15-20

Paulus hofft, dass die Gläubigen die überwältigende Größe von Gottes Kraftwirkung in sich entdecken. Das griechische Wort an diese Stelle ist das Wort für Wunderkraft. Jesus hatte in ähnlicher Weise angekündigt, dass der Heilige Geist aus den zukünftigen Gläubigen herausfließen möchte: Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, welche an ihn glauben; denn der Heilige Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war. Joh7,37-38

Je länger ich die Bibel lese, desto mehr frage ich mich, wie viele von uns diese Kraft in sich entdeckt haben und nutzen? Fließt der Heilige Geist tatsächlich mit seiner Kraft aus uns heraus und sorgt dafür, dass belastete und kranke Menschen befreit und geheilt leben können? Oder erleben wir heute eher das, wovor Paulus schon die ersten Christen damals gewarnt hatte: Dämpft nicht den Heiligen Geist. 1.Thess5,19. Haben wir vielleicht durch unsere theologischen Erklärungen, wieso wir heute nicht mehr dieselbe Vollmacht haben wie Jesus und die Apostel, den Geist in uns gedämpft, so dass er nicht mehr so wirken kann, wie er könnte?

Ich möchte aufhören, das Wirken Gottes durch meine Theologie oder durch meinen Verstand einzuschränken. Manches, was Gott tut, ist für uns ungewöhnlich (Apg19,11), aber er hat ja schon im Alten Testament gesagt, dass wir ihn als Menschen nicht immer verstehen können (Jes55,8). Anstatt Gottes Handeln verstehen und einordnen zu wollen, möchte ich lieber anfangen, die in mir schlummernden Kräfte wieder zu entdecken. Ich würde gerne erleben, was Jesus schon vor Pfingsten gesagt hat, nämlich, dass Ströme des Heiligen Geist durch mich in meine Umgebung hinein fließen können. Ich bin davon überzeugt, dass die christlichen Kirche in unseren Tagen viel mehr Bewirken könnte, wenn sie einfach nur anfangen würde, den Heiligen Geist einfach durch sich hinausfließen zu lassen – Marlon Heins.