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Vom unaufhörlichen Wachstum des Christentums (Mk4,30-34)

Schaut man sich in der Welt um, dann könnte man auf die Idee kommen, dass der christliche Glaube ausgedient hat. Doch wer an Jesus glaubt, braucht sich von diesem Eindruck nicht ablenken zu lassen. Im folgenden Gleichnis macht Jesus deutlich, dass das Reich Gottes, das aktuell durch das Christentum repräsentiert wird, nicht eingehen wird. Das Gegenteil ist sogar der Fall.

 

Und er sprach: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, oder durch was für ein Gleichnis sollen wir es [euch] darlegen? Es ist einem Senfkorn gleich, das, wenn es in die Erde gesät wird, das kleinste ist unter allen Samen auf Erden. Und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse und treibt große Zweige, sodass die Vögel des Himmels unter seinem Schatten nisten können. Und in vielen solchen Gleichnissen sagte er ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten. Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; wenn sie aber alleine waren, legte er seinen Jüngern alles aus. Mk4,30-34

Der christliche Glaube ist nicht gleichzusetzen mit dem Reich Gottes. Aber das Christentum ist sicher ein Teil davon. Vor Pfingsten war das Volk Israel dafür verantwortlich, Gottes Reich auf dieser Welt zu bauen. Davor waren es Einzelpersonen wie Adam, Noah und Abraham, die Gottes Herrschaft auf der Erde repräsentiert haben. Doch mit dem Kommen von Jesus hat ein ganz spezieller Moment im Reich von Gott begonnen (Mk1,14-15). Er selbst war das Senfkorn, von dem er hier spricht. So wie das Senfkorn in die Erde gesteckte wird, so musste auch er sterben, bevor er Auferstehen und seine Gemeinde bauen konnte (Joh12,24). Als Christen haben wir das Privileg, in der Zeit zu leben, die unmittelbar nach Jesus gekommen ist. Darum glaube ich, dass wir diese Worte von Jesus in Mk4,30-34 eins zu eins auf uns beziehen können.

Das Reich Gottes wird nicht abnehmen, auch wenn es gerade in unserer westlichen Welt so ausschauen mag. Global betrachtet wird es immer größer werden und viele, verschiedene Zweige hervorbringen. Mir persönlich ist nicht ganz klar, was mit diesen Zweigen, geschweige denn mit dem Vögeln gemeint ist. Vielleicht gehören diese Details mehr zum Bild vom Senfkorn, als zum Reich Gottes. Umgekehrt könnte man fragen: Wenn diese Details nicht wichtig wären, wieso hat Jesus sie dann erwähnt?

Eine Möglichkeit, die Zweige und Vögel im Bezug aufs Reich Gottes auszulegen besteht darin, hier die vielen unterschiedlichen Kirchenströmungen, Theologien und Denominationen der letzten 2000 Jahre zu sehen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Zweige und Vögel gleichzusetzen mit den verschiedenen Ländern und Kulturen, in denen das Christentum mittlerweile gelebt wird. Aber egal wie man diese Details auslegt, eine Aussage von Jesus bleibt: Das Reich Gottes wird klein anfangen und im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte immer größer werden.

Als Christen gehören wir nicht zu einer sterbenden Bewegung, sondern zu einem Reich, dass irgendwann die ganze Welt umspannen wird. Das darf uns begeistern und ermutigen, gerade auch dann, wenn wir den Eindruck haben, dass der Säkularismus in unseren Tagen immer mächtiger wird. Als Kinder Gottes dürfen wir voller Zuversicht in die Zukunft schauen, weil wir wissen, Gott am Ende an sein Ziel kommen wird – Marlon Heins.