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Auf Gottes Stimme hören muss gewollt sein (Mk4,3-9 / 13-20)

Die Geschichte vom Sämann, der seinen Samen auf die unterschiedlichsten Oberflächen auswarf, gehört zu den bekannten Gleichnissen von Jesus. Der Sinn hinter diesem Gleichnis scheint klar, weil Jesus seinen Jüngern die Bedeutung explizit erklärt hat. Doch was genau bedeutet diese Geschichte für uns heute?

 

Hört zu! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und es geschah, als er säte, dass etliches an den Weg fiel; und die Vögel des Himmels kamen und fraßen es auf. Anderes aber fiel auf den felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, wurde es verbrannt; und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten es, und es brachte keine Frucht. Und anderes fiel auf das gute Erdreich und brachte Frucht, die aufwuchs und zunahm; und etliches trug dreißigfältig, etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig. Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Mk4,3-9

Jesus erzählte diese Geschichte einer großen Volksmenge (Mk4,1). Darum ist die Vermutung naheliegend, dass Jesus sich selbst als der Sämann sah, der seine Worte unters Volk bringt. Innerhalb seiner Zuhörer gab es dann wohl diese verschiedenen Typen, die Jesus mit den unterschiedlichen Böden vergleicht. Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass die meisten seiner Zuhörer diesen Vergleich nicht verstanden hatten. Selbst die Jünger von Jesus kamen später noch zu Jesus, um nachzufragen, was er mit dieser Geschichte sagen wollte. Es ist spannend zu lesen, was Jesus ihnen im dazu erklärt:

Und er spricht zu ihnen: Wenn ihr dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann alle Gleichnisse verstehen? Der Sämann sät das Wort. Die am Weg aber sind die, bei denen das Wort gesät wird, und wenn sie es gehört haben, kommt sogleich der Satan und nimmt das Wort weg, das in ihre Herzen gesät worden ist. Und gleicherweise, wo auf steinigen Boden gesät wurde, das sind die, welche das Wort, wenn sie es hören, sogleich mit Freuden aufnehmen; aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch. Später, wenn Bedrängnis oder Verfolgung entsteht um des Wortes willen, nehmen sie sogleich Anstoß. Und die, bei denen unter die Dornen gesät wurde, das sind solche, die das Wort hören, aber die Sorgen dieser Weltzeit und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach anderen Dingen dringen ein und ersticken das Wort, und es wird unfruchtbar. Und die, bei denen auf das gute Erdreich gesät wurde, das sind solche, die das Wort hören und es aufnehmen und Frucht bringen, der eine dreißigfältig, der andere sechzigfältig, der dritte hundertfältig. Mk4,13-20

Es gab Menschen in der Zuhörerschaft von Jesus, die keine Ambitionen hatte, die Worte von Jesus erst zu nehmen. Diese Gruppe wird mit einem Trampelpfad verglichen, auf dem der Teufel keine Mühe hatte, den ausgestreuten Samen fort zu nehmen. Eine zweite Gruppe von Zuhörer wird mit einem steinigen Boden verglichen. Dort werden die Worte von Jesus am Anfang mit Begeisterung aufgenommen. Doch sobald es darum geht, einen Schritt in die Nachfolge zu tun, fangen diese Typen an, sich zurück zu ziehen. Die dritte Gruppe von Zuhörern nimmt die Worte Jesus ebenfalls mit offenem Herzen auf. Die Botschaft hat sogar Zeit, im Leben dieser Menschen einzuwirken. Aber irgendwann sorgen die Sorgen des Alltags, menschliche Wünsche und das Streben nach Besitzt dafür, dass die Worte Jesus in den Hintergrund treten. Die vierte Gruppe besteht dann aus solchen Menschen, die schlussendlich gehorsam tun, wozu Gott sie berufen hat. Sie bringen Frucht, was soviel bedeutet, dass sie die Werke tun, die Gott für sie vorbereitet hat (Eph2,10).

Diese Geschichte wird sehr verschieden ausgelegt. Nicht selten wird die erste Gruppe von Zuhörern als Menschen verstanden, welche die frohe Botschaft von Jesus zwar gehört aber dann abgelehnt habe. Die zweite und dritte Gruppe wird dann als Christen gesehen, die ihr Heil irgendwann wieder verloren haben. Erst die vierte Gruppe sind dann wahre Christen, die so leben, dass sie eines Tages bei Jesus sein werden. Ich persönlich finde diese Auslegung problematisch. Denn (1) lehrt die Bibel für mich nicht die Möglichkeit, dass ein erlöster Christ sein Heil wieder verlieren kann. Und (2) kann man dieses Gleichnis nur dann richtig verstehen, wenn man die Situation von damals im Hinterkopf behält.

Jesus sprach damals nicht zu ungläubigen Menschen, sondern zum Volk Gottes. Aus diesem Grund kann es in diesem Gleichnis auch nicht um die Frage gehen, ob ein Mensch erlöst ist und in den Himmel kommt. Das, worum es Jesus zum Zeitpunkt dieses Gleichnisses ging, war die Frage, ob bzw. in welchem Ausmaß seine gläubigen Zuhörer bereit waren, seinen Worten zu glauben und danach zu leben. Wenn wir das Gleichnis also in unsere Zeit übertragen wollen, dann müssten wir fragen: In welchem Ausmaß bin ich als Christ bereit, die Anweisungen vom Heiligen Geist zu hören, zu glauben und danach zu handeln? Von der Bibel her wissen wir, dass der Heilige Geist in jedem Christen lebt (Eph1,13). Aber die Art und Weise, wie wir dann auf sein Reden reagieren, kann sehr unterschiedlich sein.

Die erste Gruppe ignoriert sein Reden quasi vollständig. Das kann daran liegen, weil diese Christen nie gelernt habe, seine Stimme von der Stimme ihrer eigenen Gedanken zu unterscheiden. Das kann auch daran liegen, weil sie aufgrund ihrer Prägung gar nicht davon ausgehen, dass Gott heute noch durch seinen Geist zu ihnen spricht.

Die zweite Gruppe von Christen ist begeistert, wenn sie das Reden vom Heiligen Geist erlebt. Aber der Rest ihres Lebens ist so anders ausgerichtet, dass sein Reden schlussendlich keine Auswirkungen in ihrem Leben hat. Ich stelle mir hier Christen vor, die von einer frommen Konferenz zur nächsten ziehen und immer mit Begeisterung für Jesus nach Hause kommen. Doch schon am nächsten Morgen ist das Feuer wieder erlöschen und das Leben wird wie bisher weitergelebt.

Die die dritte Gruppe von Christen hat gelernt, den Heiligen Geist im Leben erst nehmen. Sie sind in der Lage, seine Stimme zu hören und haben ernsthaft den Wunsch, ihr Leben nach dem Willen Gottes auszurichten. Aber es gibt neben dem Heiligen Geist noch weitere Götzen in ihrem Leben, die Jesus mit den Worten Sorgen, Reichtum und Begierde beschreibt. Weil Gott im Leben dieser Christen nicht der Einzige ist, entsteht auf lange Sicht im Leben dieser Christen keine Frucht.

Nur vierte Gruppe von Christen hat irgendwann den Entschluss gefasst, sich voll und ganz unter die Kontrolle vom Heiligen Geist zu begeben. Sie tun, was er von ihnen möchte und gehen dorthin, wo er sie hinführt. Auf diese Weise kann Gott ihr Leben so gebrauchen, wie er sich das vorgestellt hat.Ich möchte zu der vierten Gruppe von Christen gehören! Ich möchte, dass der Heilige Geist die volle Kontrolle in meinem Leben übernimmt und ich am Ende meines Lebens zurückschauen und sehen darf, dass mein Leben Frucht mit Ewigkeitswert hervorgebracht hat – Marlon Heins!