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Kann sich Jesus dir anvertrauen ODER spricht er noch in Gleichnissen? (Mk4,1-2/10-12

Für viele Christen haben die Gleichnisse von Jesus eine ganz besondere Bedeutung. Das sind die Geschichten, mit denen man groß geworden ist und die man häufig schon im Kindergottesdienst gehört hat. Das sind die Geschichten, die man aus den Evangelien kennt und die immer wieder in Predigten behandelt werden. Doch mir fällt auf, dass viele Christen gar nie verstanden haben, wieso Jesus so häufig in Gleichnissen gesprochen hat!

Und wiederum fing er an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine große Volksmenge bei ihm, sodass er in das Schiff stieg und sich auf dem See darin niedersetzte; und das ganze Volk war am See auf dem Land. Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen ... Als er aber allein war, fragten ihn die, welche um ihn waren, samt den Zwölfen über das Gleichnis. Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu erkennen, denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil,»damit sie mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie nicht etwa umkehren und ihnen die Sünden vergeben werden.« Mk4,1-2 + 10-12

Häufig wird gesagt, dass Jesus mit Gleichnissen gelehrt hat, damit seine Zuhörer in besser verstehen würden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Jesus hat viel in Gleichnissen gesprochen, damit nicht jeder sofort verstand, worauf er hinaus wollte. Doch wieso wollte Jesus nicht von allen verstanden werden? Im Johannesevangelium finden wir eine interessante Antwort auf diese Frage: Als er aber am Passahfest in Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, weil sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte, und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand von dem Menschen Zeugnis gab; denn er wusste selbst, was im Menschen war. Joh2,23-25

Jesus war immer von vielen Menschen umgeben. Aber die meisten waren scheinbar nur dort, weil Jesus Zeichen und Wunder tat. An wahrer Nachfolge waren sie aber nicht interessiert. Und eben weil Jesus genau wusste, wie es im Herzen der Einzelnen aussah, offenbarte er sich unterschiedlichen Gruppen in verschiedener Art und Weise. Zu den Volksmengen sprach er häufig in Gleichnissen, weil er wusste, dass viele seiner Zuhörer eh nicht wirklich zuhörten. Jesus war nicht bereit, seine kostbare Botschaft als Massenware unter die Leute zu bringen. Vielleicht hatte er genau solche Menschen auch im Blick, als er einmal folgende Worte gesagt hat: Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Säue, damit diese sie nicht mit ihren Füßen zertreten und [jene] sich nicht umwenden und euch zerreißen. Mt7,6 Nur denen, die bereit waren, ihm wirklich zuzuhören und nachzufolgen offenbarte er die tiefere Bedeutung hinter seinen Worten. Markus schreibt es sehr deutlich: Als er aber allein war, fragten ihn die, welche um ihn waren, samt den Zwölfen über das Gleichnis. Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu erkennen, denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil … Mk4,10-11

Die für mich wichtige Frage lautet: Zu welcher Gruppe Menschen gehören wir? Gehören wir zu solchen, denen Jesus die Geheimnisse des Reiches Gottes anvertrauen kann oder zu solchen, bei denen er in der Oberflächlichkeit von Gleichnissen bleiben muss? Aus den Bibeltexten wird deutlich, dass unsere Haltung ihm gegenüber darüber entscheidet, zu welcher Gruppe wir gehören werden. Wenn wir bereit sind, uns ihm gegenüber voll und ganz zu öffnen, ihm nachzufolgen und gehorchen, dann wird er uns immer weiter in die Geheimnisse seines Vaters einführen und Verantwortung in seinem Reich übertragen – Marlon Heins.