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Was genau ist die Sünde gegen den Heiligen Geist? (Mk3,20-30)

Die Sünde gegen den Heiligen Geist ist eines der Themen, über die man in christlichen Kreisen immer mal wieder spricht. Dabei fällt auf, dass nur ganz Wenige wissen, was Jesus damit gemeint hat. Und eben weil häufig unklar ist, was genau diese ominöse Sünde bedeutet wird sie dafür benutzt alles möglich in sie hinein zu interpretieren. Ich möchte aufgrund des heutigen Bibeltextes die Gelegenheit nutzen und kurz erklären, was ich darunter verstehe:

 

Und sie traten in das Haus, und es kam nochmals eine Volksmenge zusammen, sodass sie nicht einmal Speise zu sich nehmen konnten. Und als die, welche um ihn waren, es hörten, gingen sie aus, um ihn zu ergreifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen! Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul!, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus! Da rief er sie zu sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Und wenn ein Reich in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Reich nicht bestehen. Und wenn ein Haus in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Haus nicht bestehen.
Und wenn der Satan gegen sich selbst auftritt und entzweit ist, so kann er nicht bestehen, sondern er nimmt ein Ende. Niemand kann in das Haus des Starken hineingehen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, er bindet zuvor den Starken; dann erst wird er sein Haus berauben. Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden sollen den Menschenkindern vergeben werden, auch die Lästerungen, womit sie lästern;
wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einem ewigen Gericht verfallen. Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist. Mk3,20-30

Die hier beschriebene Begebenheit wird in noch zwei weiteren Evangelien beschrieben (Mt12,22-37; Lk11,14-23). Und der Hergang ist eigentlich nicht schwer: Weil die damaligen Bibelgelehrten keine bessere Erklärung finden konnten, beschuldigten sie Jesus, seine Wunderkraft vom Teufel zu haben. Daraufhin bringt Jesus einige Argumente, wieso diese Anschuldigung sehr unwahrscheinlich ist. Sein Hauptargument lautet: Wieso sollte ich den Teufel und seine Dämonen austreiben, wenn ich eigentlich mit ihm unter einer Decke stecke?

Richtig spannend wird es dann aber im zweiten Teil dieser Geschichte. Denn dort spricht Jesus von der ominösen Sünde gegen den Heiligen Geist. Was für eine Sünde könnte damit wohl gemeint sein? Immerhin scheint diese eine Sache die einzige Sünde auf der Welt zu sein, für die es keine Vergebung gibt. Kein Wunder also, dass sich viele Christen den Kopf darüber zerbrechen, was man Schlimmes tun muss, um diese Sünde zu begehen.

Ich persönlich denke, dass die Antwort gar nicht so kompliziert ist. Um zu verstehen, was Jesus mit dieser Sünde im Sinn hatte, ist es hilfreich, sich den Bericht im Matthäusevangelium anzuschauen. Der erste Teil stimmt mit der Beschreibung von Markus überein. Doch am Schluss schreibt Matthäus zusätzlich noch folgendes: Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen. Mt12, 32

Dieser Satz fehlt bei Markus, ist aber für ein rechtes Verständnis der Sünde gegen den Heiligen Geist wichtig. Wichtig ist: Zu dem Zeitpunkt, als Jesus über die Sünde gegen den Heiligen Geist gesprochen hat, war der Heilige Geist noch gar nicht auf die Erde gekommen. Die Möglichkeit, diese Sünde zu begehen, war also zum Zeitpunkt dieser Geschichte noch gar nicht vorhanden. Und genau das ist der entscheidende Punkt zum rechten Verständnis der Sünde gegen den Heiligen Geist.

Das Kommen vom Heiligen Geist zum Pfingstfest war der dritte Versuch von Gott, sich den Menschen zu offenbaren. Zurzeit vom Alten Testament war es Jahwe, der sich zuerst Einzelpersonen und später dann dem Volk Israel gezeigt hatte. Zurzeit der Evangelien war es Jesus, der aus dem Himmel auf diese Erde kam, um die Menschen mit Gott in Verbindung zu bringen. Und seit Pfingsten ist es das Werk vom Heiligen Geist, Menschen davon zu überzeugen, dass sie Erlösung von ihren Sünden brauchen. Genau darüber spricht Jesus in diesen Versen: Es ist gut für euch, dass ich hingehe; denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Beistand nicht zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden. Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht … Joh16,7-8

Und hier schließt sich nun der logische Kreis: Jesus war der zweite Versuch Gottes die Menschheit zu erlösen. Darum kann Jesus sagen: Wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden Mt12,32a. Mit der Zeit des Heiligen Geistes würde dann aber der dritte und letzte Rettungsversuch Gottes stattfinden. Und genau darum sagt Jesus über diese Zeit: … wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen. Mt12,32

Die Sünde gegen den Heiligen Geist zu begehen bedeutet, dass ein Mensch nicht auf den Heiligen Geist hört, wenn dieser auf die Vergebung durch Jesus hinweisz. Wir haben es ja gerade in Joh16,7-8 gelesen. Seit Pfingsten besteht die Aufgabe vom Heiligen Geist darin, Menschen davon zu überzeugen, dass sie Sünder sind und Vergebung durch den Glauben an Jesus brauchen. Wenn ein Mensch dieses Angebot ablehnt, dann begeht er die Sünde gegen den Heiligen Geist. Damit wird auch klar, dass Christen diese Sünde gar nicht begehen können. Denn ein Christ hat ja schon auf die Stimme vom Heiligen Geist gehört und Vergebung durch den Glauben an Jesus bekommen – Marlon Heins.