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Haben Christen die Vollmacht zur Krankenheilung? (Mk3,7-19)

Der Titel provoziert vielleicht ein wenig. Aber wenn wir jetzt den folgenden Text aus dem Markusevangelium lesen, dann wird schnell deutlich, wieso diese Frage sehr wohl berechtigt ist und gestellt werden sollte.

 

Aber Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück; und eine große Menge aus Galiläa folgte ihm nach, auch aus Judäa und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordan; und die aus der Gegend von Tyrus und Zidon kamen in großen Scharen zu ihm, weil sie gehört hatten, wie viel er tat. Und er befahl seinen Jüngern, ihm ein kleines Schiff bereitzuhalten um der Volksmenge willen, damit sie ihn nicht bedrängten. Denn er heilte viele, sodass alle, die eine Plage hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn anzurühren. Und wenn ihn die unreinen Geister erblickten, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht offenbar machen sollten. Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte; und sie kamen zu ihm. Und er bestimmte zwölf, die bei ihm sein sollten und die er aussandte, um zu verkündigen, und die Vollmacht haben sollten, die Krankheiten zu heilen und die Dämonen auszutreiben … Mk3,7-19

Zuerst hat nur Jesus mit Zeichen und Wundern gewirkt. Doch dann im Laufe der Zeit hat er diese Vollmacht seinen zwölft Jünger übertragen. Er gab ihnen die Macht, Kranke zu heilen und böse Geister auszutreiben. Und die Jünger konnten die wunderbare Erfahrung machen, wie es ist, in der Vollmacht des Heiligen Geistes wirken zu können. Doch wie ging es dann weiter? Die Bibel gibt darauf einige sehr interessante Antworten. Da wären zum einen die Worte von Jesus an seine Jünger kurz vor der Himmelfahrt: Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Mt28,18-20

Jesus gibt seinen Jüngern hier einen klaren Auftrag: So wie er sie zu Jüngern gemacht hatte, so sollten sie nun anderen Menschen zu Jüngern machen. Und was ist mit der Vollmacht Kranke zu Heilen und Dämonen auszutreiben? Beinhaltet der Auftrag zu Jüngern zu machen auch die Weitergabe dieser Gabe? Wenn wir sehen, was Jesus kurz vor seiner Himmelfahrt noch gesagt hat, dann scheint das tatsächlich so zu sein: Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber gingen hinaus und verkündigten überall; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden Zeichen. Mk16,17-20

Markus schreibt hier, dass die Worte der Jünger bekräftigt wurden durch begleitende Zeichen. Und Jesus selbst sagt, dass diejenigen, die gläubig werden sollten, ebenfalls Zeichen und Wunder tun und erleben werden. In diesem Zusammenhang finde ich immer wieder das Gebet von Paulus interessant, dass er uns im Epheserbrief überliefert hat: Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten an euch zu gedenken, dass der Gott unseres Herrn Jesus …euch [den] Geist der Weisheit und Offenbarung gebe … erleuchtete Augen eures Verständnisses, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung … ist, was auch die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung in uns ist, die wir glauben, gemäß der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er wirksam werden lassen in dem Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte ... Eph1,15-20

Was passiert hier? Paulus betet für die Christen damals, dass sie nach ihrer Bekehrung nun auch die überwältigende Größe von Gottes Kraft in sich entdecken sollten. Im griechischen Text stehen in diesem Vers vier verschiedene Worte für Wunderkraft, alles Worte, die in den Evangelien und der Apostelgeschichte dafür gebraucht werden, um die Zeichen und Wunder von Jesus und den Aposteln zu beschreiben. Worum betet Paulus also: Er betet darum, dass die Christen durch den Heiligen Geist gezeigt bekommen, dass sie Vollmacht in sich tragen – und zwar dieselbe Vollmacht, die damals Jesus aus den Toten zurückgeholt hat.

Ich frage mich, ob die Christen in Ephesus diese latente Kraft in sich entdeckt haben. Und ich frage mich auch, wie viele Christen heute um diese latente, übernatürliche Vollmacht Gottes in sich wissen. Hat der Heilige Geist uns die Weisheit und Erkenntnis geschenkt, was seit unserer Bekehrung in uns an Vollmacht schlummert?

Ich befürchte, dass viele Christen, inklusiv mir, jahrzehntelang mit Jesus unterwegs sind, ohne jemals von dieser Vollmacht gebraucht gemacht zu haben. Unsere heutige Art und Weise eines aufgeklärten Christseins hat uns theologische Theorien geschenkt, die uns dabei helfen, zu erklären, wieso wir heute nicht mehr dasselbe tun können, was Jesus und die Apostel getan haben. Aber ich frage mich je länger je mehr, ob diese theologischen Überlegungen tatsächlich recht haben, wo doch der biblische Befund sehr klar auch anders verstanden werden kann.

Ich möchte uns darum Mut machen, unsere bisherigen Vorstellungen in diesem Punkt einmal ganz bewusst zu hinterfragen! Vielleicht schlummert in uns ja viel mehr, als wir bisher gedacht haben – Marlon Heins.