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Bestätigung der Berufung im regelmässigen Gebet (Mk1,35-39)

Viele Christen schaffen es nicht, dauerhaft in der Nachfolge treu zu sein. Wieso ist das so? Ich habe den Eindruck, dass wir im folgenden Text im Leben Jesu die Antwort erkennen können:

 

Und am Morgen, als es noch sehr dunkel war, stand er auf, ging hinaus an einen einsamen Ort und betete dort. Und es folgten ihm Simon und die, welche bei ihm waren; und als sie ihn gefunden hatten, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich! Und er spricht zu ihnen: Lasst uns in die umliegenden Orte gehen, damit ich auch dort verkündige; denn dazu bin ich gekommen! Und er verkündigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus. Mk1,35-39

Keines der Evangelien schreibt darüber, was genau in den Gebetszeiten von Jesus passiert ist. Auch wenn es hochinteressant wäre: Wir wissen leider nicht, wie Jesus in der Einsamkeit mit seinem Vater im Himmel und dem Heiligen Geist Gemeinschaft hatte. Was wir aber sagen können ist folgendes: Jesus hat sich immer wieder zum Gebet zurückgezogen. Vor allem Lukas berichtet davon. Gerade auch vor wichtigen Endscheidungen, wie zum Beispiel die Berufung der Apostel, hat Jesus die Nacht davor in der Gemeinschaft mit der Trinität verbracht. Für mich bedeutet das: Wenn es schon für den Sohn Gottes wichtig war, Zeiten in der Stille mit Gott zu haben, um wie viel mehr muss ich dann diese Zeiten in meinem Leben haben!

Eine zweite Folge vom regelmäßigen Gebetsleben von Jesus wird hier bei Markus angedeutet. In der Zeit mit dem Vater und dem Heiligen Geist wurde scheinbar die Berufung von Jesus wieder neu bestätigt! So zu mindestens interpretiere ich die klare Antwort, die Jesus auf die Worte von Simon gibt. Am Tag zuvor hatte Jesus noch in ganz Kapernaum die Kranken geheilt. Anschließend war er ins Gebet gegangen. Und am nächsten Morgen stand ihm sein Auftrag wieder klar vor Augen: Lasst uns in die umliegenden Orte gehen, damit ich verkündige. Denn dazu bin ich gekommen!

Ich glaube, dass im Gebet das Geheimnis dafür liegt, wieso manche Menschen ihr ganzes Leben treu bleiben und anderen nicht. Wenn schon Jesus die Bestätigung seiner Berufung brauchte, um wie viel mehr müssen wir regelmäßig hören, wozu uns Gott auf dieser Welt gebrauchen möchte. Ich habe den Eindruck, dass ein Christ nur dann seinem Auftrag treu bleiben kann, wenn er seinen geistlichen Fokus immer wieder neu ausgerichtet bekommt. Und diese Neuausrichtung geschieht in der Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Auf diesem Hintergrund erscheinen diese Worte von Jesus in einem ganz neuen Licht: Bleibt in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Joh15,4-5

Wir brauchen die Gemeinschaft mit dem Vater, damit er uns mit Worten seiner bedingungslosen Lieben ermutigen kann. Wir brauchen die Zeit mit Jesus, damit er unseren Blick neu auf das lenken kann, was ihm wichtig ist! Wir brauchen die Stille in der Gegenwart des Heiligen Geistes, damit er uns neu mit seiner übernatürlichen Kraft erfüllen und ausrüsten kann. Ohne diese Neuausrichtung ist ein treuer Dienst im Reich Gottes wohl kaum möglich – Marlon Heins.