glaubensfragen.org

Gott stärkt das Böse, damit wir es nicht mehr tun!

BibelBLOG:

Ri. 3,12-30

Hallo liebe Leser meines BibelBLOG. Auch wenn es viele Christen gibt, die nicht glauben können, dass Gott „das Böse“ unterstützt um zu seinem Ziel zu kommen; die Bibel lehrt es an vielen Stellen genauso.

Gott gibt immer wieder dem Bösen freie Hand und verhindert Schlimmes ganz bewusst nicht. Er lässt Menschen ins Leiden rennen, damit sie hoffentlich irgendwann zu Besinnung kommen.

Ein spannendes Beispiel für solch ein Verhalten Gottes finden wir in der Geschichte von Ehud, einem Richter in der Zeit nach Josua. Auch wenn die Geschichte von Ehud und dem fetten König Eglon oft nicht in der Kinder- oder Sonntagschule erzählt wird, so hat sie doch viele Menschen inspiriert. Zum Beispiel ähnelt die Figur vom fetten Jabba aus der Star Wars Trilogie von George Lukas überraschend ähnlich dem fetten Eglon aus Richter 3.

Die Geschichte von Ehud und Eglon ist eine der spannendsten Geschichten in der Bibel überhaupt. Ehud kommt getarnt als Bote zum König Eglon, der bereits seit 18 Jahren das Volk Israel unterdrückt. Bei sich trägt er ein Schwert, das die Wachen allerdings nicht finden. Er tut so, als ob er dem König etwas unter vier Augen sagen müsste. Als beide allein sind stößt Ehud den Dolch dann so tief in den Körper von Eglon, dass das Fett in völlig einschließt. Ehud entkommt auf abenteuerliche Art und Weise und mit viel göttlichem Segen.

Doch bei aller Spannung wurde mir in meiner BibelZEIT ganz neu klar, dass es eigentlich gar nicht so weit hätte kommen müssen. In Gottes ursprünglichen Plan wäre gar nicht notwendig gewesen, dass Ehud die Israeliten vom fetten und grausamen König Eglon hätte befreien müssen. Eglon kam nämlich nur deshalb überhaupt an die Macht, weil Gott auf den Ungehorsam von Israel reagierte: „Und die Kinder Israels taten wieder, was böse war in den Augen des Herrn. Da stärkte der Herr Eglon, den König der Moabiter gegen Israel, weil sie taten, was in den Augen des Herrn böse war“ (Ri. 3,12).

Immer wieder treffe ich Christen, die mit so einem Gott Probleme haben. Ein Gott, der sich ganz bewusst aufmacht, um gegen sein geliebtes Volk anzugehen – ein Gott, der das Böse ganz bewusst herbeiruft, um seine geliebtes Volk zu strafen – das passt nicht in das Bild vieler moderner Christen. Und doch zeigt uns die Bibel überall übereinstimmend genau so einen Gott. Überall im Alten wie im Neuen Testament wird uns Gott beschrieben als jemanden, der dem Hochmütigen wiedersteht und nur dem Demütigen Gnade gibt (1Pe 5,5). Gott ist nicht IMMER EINFACH lieb – zu mindestens dann nicht, wenn man Liebe ausschließlich mit Nettigkeit, Freundlichkeit und Harmonie definiert! Gott ist lieb zu demjenigen, der sich demütig an ihn wendet und er wiedersteht demjenigen, der es glaubt, besser bzw. alleine zu können.

Diese Eigenschaft Gottes gilt für Nichtchristen genauso wie für Christen. Wenn Menschen sich einbilden, selber gut durchs Leben zu kommen, dass  lässt Gott sie ihre  Wege gehen. Und auch wenn Kinder  Gottes nach ihrer Bekehrung ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen, dann wird sich Gott immer weiter von ihnen distanzieren. Ein Christ kann sein Heil nicht mehr verlieren, aber er kann die intensive Beziehung zu seinem Gott sehr wohl verlieren, wenn er eigene Wege gehen will.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, einen Gott, der  Gnädig ist, wenn ein Mensch ihm demütig um Vergebung bittet, mit einem Gott zu verwechseln, der blind, taub und blöd einfach alles akzeptiert, was Menschen auf der Erde so anstellen. „Gott lässt sich nicht spotten. Das, was der Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal. 6,7). Ehud wäre als Richter und Retter gar nicht erst notwendig geworden, wenn das Volk Israel nicht immer „wieder getan hätten, was böse in den Augen Gottes war“ (Ri. 3,12).

Doch es geht noch weiter: Nahezu unglaubliche 18 Jahre (!) konnte der fette Könige Eglon ungehindert die Israeliten unterdrücken (Ri. 3,14). 18 Jahre lange erduldeten die Israeliten diesen Tyrannen, bis sie sich darauf besannen, dass sie ja eigentlich das Volk eines viel mächtigeren Königs waren. „Da schrien die Kinder Israels zum Herrn. Und der Herr erweckte ihnen einen Retter … „(3,15). Aus anderen Stellen in der Bibel können wir ableiten, dass dieses „Schreien“ nicht einfach nur ein Hilferuf, sondern auch ein Erkennen der eigenen Schuld beinhaltete. Doch warum erst nach 18 Jahren? Warum ist es nur so schwer, von falschen Wegen wieder umzukehren? Warum ist nur so leicht, zu vergessen, dass Gott sofort eingreifen und helfen wird, wenn wir uns nur demütig an ihn wenden.

Gott weiß ja, dass es uns unmöglich ist, nicht zu sündigen. Und darum verlangt er nichts Unmögliches von uns. Gott verlangt nicht von uns, nicht zu sündigen, aber er verlangt von uns, dass wir immer wieder demütige zu ihm kommen und ihm unsere Versagen bekennen.

Ich möchte es neu begreifen, dass Gott mir widersteht, wenn ich hochmütig an meinen Entscheidungen und Wegen festhalte, obwohl ich genau weiß, dass ich nicht in Gottes Plan lebe. Ich möchte neue begreifen, dass Gott mir widersteht, wenn ich ganz bewusst nicht tue, was er mir in seinem Wort an Geboten gegeben hat. Ich möchte neue begreifen, dass Gott nur dann die Auswege und Rettungen aus meinen Nöten und Probleme schenkt, wenn ich demütig mein Versagen und meinen Hochmut vor ihm bekenne.

Alles Liebe, euer Marlon Heins

PS: Was ich allerdings nicht glaube ist, dass Leid und Elend immer etwas mit persönlichem Hochmut oder Sünde im Leben zu tun haben. Etliche Personen lehren so etwas. Ich distanziere mich von so einer absoluten Aussage deutlich!