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Alles ist möglich dem der glaubt!

BibelBLOG:

Mk 9,14-29

Hallo liebe Leser meines BibelBLOG. Manche Texte in der Bibel werden regelmäßig falsch verstanden. Die Geschichte heute aus meiner BibelZEIT gehört dazu. Denn Jesus beschimpft in diesem Text ganz bestimmt nicht seine Jünger als „ungläubiges Geschlecht“, so wie das regelmäßig behauptet wird. Es geht zwar darum Glauben zu lernen. Aber diesmal waren es nicht die Jünger, die primär etwas zu lernen hatten.

Jesus war gerade mit Petrus, Johannes und Jakobus vom Berg herunter gestiegen, da trifft er den Rest seiner Jünger im Streit mit den Schriftgelehrten. Während Jesus auf dem Berg gewesen war hatte ein Mann mit einem kranken Kind die Jünger gebeten, den bösen Geist aus dem Kind auszutreiben. Als die Jünger ohne Jesus das nicht konnten, fingen die Schriftgelehrten zu hänseln.

Und genau in diese Situation hinein sagt Jesus den bekannten Satz: „O du ungläubiges Geschlecht. Wir lange soll ich bei euch bleiben!“ (Mk 9,19). Eigentlich immer wird behauptet, dass Jesus hier mit seinen Jüngern schimpft. Aber Markus stellt den Zusammenhang klar anders dar, denn er schreibt, dass Jesus diesen Satz nicht zu seinen Jüngern, sondern zu dem Vater des kranken Kindes sagt („Jesus aber antwortete IHM und sprach…“). Nicht die Jünger waren Ungläubig sondern der Vater war Ungläubig in Bezug auf seinen Sohn.

Genau dieser Zusammenhang wird dann ja auch von Markus im Rest der Erzählung weiter thematisiert. Als nämlich der Vater Jesus ein wenig provozierend fragt, „wenn du etwas kannst, so erbarme dich über uns“ (Mk 9,22), antwortet Jesus nicht weniger provokant zurück, „wenn du glauben kannst – alles ist möglich dem der glaubt“ (Mk 9,23).

Und in der Tat scheint der Vater zu begreifen, was Jesus hier sagen möchte und ruft dann den bekannten Satz: „Ich glaube Herr, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Daraufhin heilt Jesus den Jungen. Doch was können wir aus dieser Erzählung heute lernen?

Schaut man sich den Text noch einmal von Anfang an, dann fällt auf, dass der Vater des kranken Kindes in irgendeiner Verbindung mit den Schriftgelehrten gestanden haben muss. Denn Markus sagt, dass die Schriftgelehrten sich mit den hilflosen Jüngern stritten, nachdem die Jünger das Anliegen des Vaters nicht erfüllen konnten. Als Jesus die Schriftgelehrten allerdings zur Rede stellt, antworten nicht sie, sondern der Vater. Ich haben den Eindruck, dass die Schriftgelehrten den Fall des Vaters bewusst ausgenutzt haben, um den Jüngern von Jesus eine Falle zu stellen. Scheinbar hatten die Schriftgelehrten den Vater in dieser Sache vorgeschickt. Entweder war der Vater selber ein Schriftgelehrter  oder aber er gehörte in irgendeiner einer Art zu ihnen. Eventuell als Mitglied einer Schule oder Synagoge.

Ich glaube, dass der von Jesus angesprochene Unglaube des Vaters genau aus dieser direkten bzw. indirekten Beziehung zu den Schriftgelehrten bestand. Obwohl der sein krankes Kind zu den Jüngern Jesu brachte glaubte er schlussendlich nicht, dass sie bzw. ihr Rabbi Jesus die  Macht zur Heilung haben würden. Schlussendlich scheint es für mich so, dass der Vater dem, was die Schriftgelehrten sagten und lehrten mehr glaubte als Jesus. Und genau das war sein Problem.

Und mit diesem Hintergrund wird der Text heute sehr praktisch für mich. Denn auch ich habe Menschen und Gruppen, denen ich glaube. Seien es Ärzte, den Medien, Freunden oder Beratern irgendwelcher Art. Ich neigen dazu den Worten von sogenannten Experten zu glauben. Doch was, wenn diese Experten in meinem Leben mir vermitteln, dass Jesus nicht die Macht hat zu helfen, Leben zu verändern, Weltgeschehen zu lenken, Selbstwert zu vermitteln oder überhaupt etwas zu tun. Wem glaube ich dann? Dem Sichtbaren oder dem Unsichtbaren?

In diesem Sinne möchte ich mich heute dem Vater anschließen und beten: „Jesus ich möchte dir glauben, dass du alle Macht hast in meinem Leben. Hilf meinem Unglauben und verzeih, wenn ich zu oft nur die menschlichen Meinungen und Möglichkeiten berücksichtige. Du kannst alles tun; daran will ich glauben!“.

Einen schönen Tag wünscht Marlon Heins