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bibelBLOG (2)

Hallo liebe Leser meines bibelBLOG. Ich freue mich über euer Feedback.

Es motiviert mich weiter zu schreiben, wenn ich weiß, dass es euch gefällt.

Heute habe ich das 6. Kapitel aus dem 1. Buch Mose studiert.

Ich empfinde dieses Kapitel in vielerlei Hinsicht als ausgesprochen spannend.

Denn dort erfahren wir u.a. etwas über Sex zwischen Engeln und Menschen, über Riesen und Heldenwesen und auch über eine Eigenschaft Gottes, die viele Christen nicht verstehen können.

In der Tat spricht der Text davon, dass die Erde sich nach und nach immer weiter mit Menschen füllte. Und desto größer die Zahl der Menschen wurde, desto mehr wuchs auch das Interesse der Engel an den Menschen. Aus 1Pe  1,12 wissen wir, dass die Engel in der Lage sind, die Ereignisse auf dieser Erde zu verfolgen. Aus 1Mo 6,2 wissen wir, dass sie auch in der Lage sind bzw. in der Lage waren, selbstständig auf dieser Erde ein und auszugehen.

Der Text sagt, dass die „Söhne der Götter“ den sexuellen Kontakt mit Menschenfrauen suchten, die ihnen gefielen. In Buch Hiob Kapitel 1 Vers 6 können wir lesen, dass die „Göttersöhne“ zu denen auch der Teufel gezählt wird vor den Thron Gottes zu einer Art Audienz traten. Ich gehe also davon aus, dass es sich bei den „Göttersöhnen“ um Engelwesen handelt.

Auch wenn man es kaum glauben kann, so gab es doch eine Zeit, in der Engel ihren scheinbar vorhandenen Leidenschaften nachgaben und den Sex mit menschlichen Frauen suchten. Gott verurteilte diesen Vorgang zutiefst. Denn so wie ich den Text übersetze und verstehe, resultierte sein Entschluss, mit der Sintflut alles Leben zu vernichten eben auch aus dieser Situation, dass Engel und Menschen miteinander Sex hatten.

Ich schreibe ganz bewusst davon, dass Gott „alles Leben“  mit der Sintflut vernichten wollte. Denn in 1Mo 6,4 wird nach meinem dafürhalten deutlich, dass die Nachkommen dieser Engel-Mensch Beziehung keine normalen Menschen waren. Der Text bezeichnet das Produkt zu einem mit dem Wort „nephilim“, was oft mit Riesen übersetzt wird, aber erst einmal so viel meint wie „Fehlgeburt“. Im weiteren Verlauf des Verses werden diese „Fehlgeburten“ dann mit den „berühmten Helden“ gleichgesetzt, was für mich ein Hinweis auf den wahren Kern vieler antiker Heldsagen wäre.

Auch im Neuen Testament finden wir Texte, die auf diese in 1Mo 6 beschrieben Situation  eingehen. So schreibt Judas in seinem kurzen Brief von Engeln, die ihren Lebensraum verlassen hätten, um Unzucht zu treiben mit „anderem Fleisch“, also mit Wesen, die ihnen nicht gleich waren (Jud 1,6-7). Ich sehe hier einen deutlichen Zusammenhang und auch eine Erklärung für die Ereignisse in 1Mo 6.

Wie schon gesagt, reagiert Gott auf diesen Übergriff, indem er das Leben der Menschen auf 120 Jahre begrenzt. Da es allerdings auch zu späteren Zeiten Menschen gab, die älter wurden als 120 Jahre (bspw. Abraham) und Mose in Psalm 90 schreibt, dass ein Mensch im Durchschnitt 75 Jahre alt wird, tendiere ich zu einer anderen möglichen Übersetzung in 1Mo 6,3. Vom hebräischen her ist es nämlich auch möglich zu übersetzten, dass Gott dem Menschen aufgrund dieser übernatürlichen Verbindungen zwischen Engel und Menschen noch verbleibende 120 Jahre gewährt, bis dann die Sintflut alles vernichten würde. Aus meiner Sicht macht diese Übersetzung in diesem Zusammenhang den meisten Sinn.

Doch die Engel-Mensch Beziehungen waren nur die eine Sache, die Gott zur Sintflut brachte. Ab 1Mo 6,5 lesen wir von dem zweiten großen Problem. Denn überhaupt musste Gott feststellen, dass die Sünde mittlerweile grundsätzlich die ganze Menschheit ergriffen hatte. Vermutlich viel schneller, als Gott es „erhofft“ hatte – genau diese Bedeutung hat nämlich die oft missverstandene Aussage, dass Gott die Erschaffung des Menschen bereute:

Das hebräische Wort nacham an dieser Stelle  hat die ursprüngliche Bedeutung von „seufzen, sich nach etwas sehen oder auch etwas vermissen“. In dieser Wortbedeutung schwingt dann auch mit, dass es Gott um die Menschen „leid tut“ und dass Gott „enttäuscht ist“ bzw. es „bedauert“, dass seine ursprünglicher Plan mit der Schöpfung nicht wahr geworden ist.

Auch die weiteren Übersetzungsmöglichkeiten von nacham machen in diesem Zusammenhang Sinn. Denn das Wort kann weiter mit „sich selber trösten und aufmuntern“, aber auch mit „sich rächen“ oder „sich  beruhigen“ übersetzt werden. Diese Übersetzungen beschreiben Gottes Reaktion (=die Sintflut) auf die Enttäuschung.

In jedem Fall schwingt bei nacham immer „Bedauern und Trauern“ darüber mit, dass eine  erhoffte Situation nicht eingetreten ist. Dabei ist interessant, dass nacham nicht primär das „Selbstmitleid“, sondern das „Mitleid“ über die jeweilige Situation meint.

Die Übersetzung von nacham mit „Reue bzw. Bereuen“ ist missverständlich. Denn diese Übersetzung impliziert, dass Gott nicht wusste, dass der  von ihm geschaffene Mensch zu einem Sünder werden würde (1Mo 6,6-7).

Allerdings steht bei nacham gerade nicht die „Unwissenheit Gottes“ im Vordergrund. Stattdessen beschreibt das Wort die Enttäuschung Gottes über eine Entwicklung, auf die er zwangsweise reagieren muss, obwohl es ihn Traurig macht, dass es tatsächlich so weit kommen konnte. Nacham beschreibt also keinen „überraschten Gott“ sondern einen „trauernden Gott“, der voller Mitleid etwas tun muss, was er eigentlich gar nicht tun möchte. Eine für mich bessere Übersetzung ist darum, dass Gott über die Erschaffung des Menschen „traurig und voller Mitleid seufzt“, weil er nun gezwungen ist mit einem Gericht zu reagieren, das ihm weh tut.

Was für eine Freude wird darum auch Noah für Gott gewesen sein, den einzigen Menschen, der er es in Gottes Augen wert war, gerettet zu werden. Mit Noah und seiner Familie möchte Gott noch einmal von vorne Anfangen. Darum wundert es auch nicht, dass der „neue Bund“ den Gott schon in 1Mo 6,18 ankündigt, große Ähnlichkeit haben wird mit dem Bund, den Gott mit Adam und Eva im Paradies geschlossen hatte (1Mo 9).

Die Arche, mit der Noah sich, seine Familie und jeweils einige Vertreter aus jeder Tierart hinüberretten sollte, bedeutet wörtlich übersetzt einfach nur Kasten. Von den Maßen her war die Arche ungefähr 135 m lang, 22,5 m breit und 13,5 m hoch. Sie hatte mindestens drei Stockwerke. Nimmt man den Text in 1Mo 6,20 ernst, dann sollte Noah nicht von allen Tieren mindestens ein Paar mitnehmen. Stattdessen ging es darum, dass Noah von jeder Gattung einige Exemplare mit an Bord nahm. In dieser Hinsicht haben schon etliche Wissenschaftler bestätigt, dass der Raum in der Arche groß genug für dieses Unterfangen gewesen ist.

Im Neuen Testament wird die Arche übrigens zu einem Bild der Rettung. So wie Noah und seine Familie durch die Arche in eine neues Leben gerettet wurden, so soll der Glaube an Jesus auch uns heute „hindurch retten“ zu einem neuen Leben (1Pe 3,20).

Abschließend noch ein Wort zum Auslöser für die Sintflut. Nachdem Gott alles Leben inklusiv der neuen Gattung aus Engel und Menschen vernichtet hatte, garantiert er Noah im Neuen Bund, dass solch eine Massenvernichtung der Menschheit niemals wieder stattfinden wird (1Mo 9,11). Ich gehe also davon aus, dass Gott der Engelwelt nach der Sintflut den Eintritt in die Menschenwelt in der damals noch möglichen Form verschlossen hat.  In diesem Sinne schreiben auch Judas und Petrus, dass besagte Engel aus damaliger Zeit mit ewigen Fesseln in der Finsternis für den Tag des Gerichts verwahrt werden (Jud 1,6 / 2Pe 2,4). Vielleicht beschreibt Paulus den Teufel deshalb auch als „Fürsten der Luft“ (Eph 2,2), eben weil es ihm und seinem Gefolge nicht mehr möglich ist, wie noch in 1Mo 6 beschrieben, in leiblicher Form zu erscheinen und sich mit Menschen einzulassen.