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1) Die Schlange gehörte zu den „Tieren des Feldes“, also zu den Tieren, die Gott als Gehilfen für den Menschen am sechsten Tag geschaffen hatte (2Mo2,18). Die Menschen hatten gerade zu diesen Tieren eine ganz besondere Beziehung, da sie diesen Tieren ihre Namen gegeben hatten.

2) Darüber hinaus wird die Schlange als „listig“ bezeichnet. Das hebräische Wort kann auch mit „hinterlistig, scharsinnig, tückisch und gefühlsbetont“ übersetzt werden. Die Schlange hatte also einen verschlagenen und berechnenden Charakter. Es scheint so, als ob eben diese Charaktereigenschaften ein günstiges Einfallstor für den Teufel sind.  

Doch nicht nur die Charaktereigenschaften der Schlange sind günstig für den Teufel. Auch Naivität und Unwissenheit machen es dem Teufel leicht. So war die Frau zu Naiv um den Teufel zu durchschauen und zu Unwissend, um sich daran zu erinnern, was Gott wirklich gesagt hatte. Sie fiel voll auf den Trick des Teufels hinein, der so ihr vorgaukelte, dass Gott seinen Menschen etwas ganz tolles vorenthalten wollte – das Wissen um gut und böse (1Mo 3,5).

Für mich wird hier sehr deutlich: Ein Trick des Teufels ist es, so zu tun, als ob Gottes Wege mir das Beste vorenthalten wollen.

Eine Frage für mich war, wieso die Frau noch die Zeit hatte, ihrem Mann von der Frucht abzugeben. 1Mo 3,6 implizieren, das die Frau zuerst von der Frucht gegessen hat, bevor sie dann ihrem Mann davon etwas gab. Scheinbar trat die „Wirkung“ der Frucht vom Baum der Erkenntnis nicht sofort ein, sondern erst Allmählich. So hatte die Frau genug Zeit, zuerst selber zu essen und dann ihrem Mann davon abzugeben.

In den nun folgenden Versen wird Gott sehr „menschlich“ beschrieben, indem er am Abend durch den Garten Eden wandert und den Menschen sucht. Aber wenn dieser Text den tatsächlichen Zustand in Eden beschreibt, dann war Gott nicht dauerhaft im Garten anwesend. Stattdessen kam er nur hin und wieder einmal vorbei um die Menschen zu besuchen. Die erste Frage Gottes geht unter die Haut: „Wo bist du?“. Gott ruft den Menschen denn er vermisst ihn. Und genau diese Sehnsucht Gottes nach jedem Menschen ist es dann auch, die ihn dazu bewog, später seinen Sohn auf diese Welt zu schicken um jedem Menschen einen Weg zurück ins Paradies zu ermöglichen.

Nachdem zuerst der Mann und dann die Frau die Situation kurz geschildert haben muss Gott seine Strafen für diese Sünde bekannt geben: Die Schlange wird dazu verdammt, von diesem Zeitpunkt an auf dem Bauch zu kriechen. Das impliziert, dass sich die Schlange bis dahin anders fortbewegt hat.

Interessant ist auch, dass nicht „nur“ der in der Schlange wirkende Teufel verurteilt wird, sondern auch die Kreatur, die sich ihm bereitwillig als „Körper“ zur Verfügung gestellt hatte.

Der Teufel selber wird dann im bekannten Vers in 1Mo 3,15 auf sein Gericht vorbereitet: Denn schon hier kündigt Gott an, dass eines Tages jemand kommen würde, der dem Teufel den Kopf zertreten wird – ein Hinweis auf Jesus Christus.

Das Gericht über die Frau war ein Zweifaches: Sie soll von nun an ihre Kinder unter Schmerzen zur Welt bringen;  ein Hinweis darauf, dass Gott sich die Geburt im Paradies ursprünglich anders gedacht hatte. Ferner legte Gott der Frau aufgrund ihres Ungehorsams eine „Sehnsucht nach (einem) ihrem Mann“ ins Herz“. Zugleich verheißt ihr aber auch, dass der Mann diese Sehnsucht niemals wirklich erfüllen wird, sondern eine Tendenz hat, über sie zu herrschen. Dieser Vers ist meiner Meinung nach sehr wichtig für eine christliche Eheberatung und für das Verhältnis zwischen Mann und Frau überhaupt.

Der Mann wird dazu verurteil, sein Leben lang unter Mühen arbeiten zu müssen. In 1Mo 2,5 wird angedeutet, dass eine Aufgabe des Mannes darin bestand, den Garten Eden zu bebauen. Doch durch seinen ungehorsam wird aus dieser ursprünglich schönen Aufgabe des Arbeitens eine Last, die für den Rest des Lebens auf den Schultern des Mannes liegen würde.

Kurz bevor Gott den Garten Eden dann für die Menschen verschließen würde, bekleidet er sie noch. Aus 1Mo 3,7 wissen wir, dass eine der ersten „Auswirkungen“ vom Baum der Erkenntnis die war, dass der Mensch voller Scham bemerkte, dass er nackt war. In einer ersten Reaktion machten sich die Menschen Kleidung aus Feigenblättern, doch Gott wusste, dass ihnen diese Art der Kleidung nicht lange etwas bringen würde. Darum töte Gott das oder die ersten Tiere, um seinen Menschen richtige, wärmende Kleider zu geben. Ich sehe hier einen Vater, der seinen Kindern trotz deren Ungehorsam immer noch etwas Gutes tun möchte.

Am Ende von 1Mo 3 findet dann der Verweis aus dem Garten Eden statt. Der Text macht allerdings sehr deutlich, warum Gott seine Menschen aus dem Garten in die Welt hinaus schickte. Er wollte sie schützten – schützen davor, dass sie nun auch noch vom Baum des Lebens essen würden – schützen davor, dass sie in diesem Zustand der Trennung von Gott ewig würden bleiben müssen (1Mo 3,22).

Der Verweis aus dem Garten Eden war also nicht primär eine Strafe Gottes. Stattdessen diente der Verweis als Schutz für die Menschen. Von 1Mo 3,15 her gesehen hatte Gott ja schon seinen Lösungsvorschlag parat, dass er seinen Sohn auf diese Welt schicken würde, um den Menschen die Möglichkeit zu bieten, wieder zurück zu kommen ist Paradies.