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Hallo liebe Leser meines bibelBLOG. Bei einer Leitungssitzung unserer Gemeinde habe ich neulich darüber gesprochen, wie wichtig es ist, den Willen Gottes für die Gemeinde nicht nur zu suchen. Mindestens genauso wichtig ist auch die Bereitschaft, das was man als Gottes Willen erkannt hat umzusetzen.

Anhand einer Begebenheit aus dem Leben vom Propheten Jeremia (Jer 42-43) habe ich damals gezeigt, dass diese Haltung – den erkannten Willen Gottes auch tatsächlich umsetzten zu wollen – nicht bei jedem, der den Willen Gottes sucht, auch tatsächlich vorhanden ist. Die Führer von Israel damals wollten den Willen Gottes für ihr Leben zwar wissen – als Gottes Wille für sie aber so völlig anders aussah, als was sie sich überlegt hatten, da waren sie nicht mehr bereit zu tun, was Gott ihnen gesagt hatte.

In unserer anschließenden Diskussion über den Bibeltext sagte jemand aus der Runde: „Ich finde es nicht so problematisch, den erkannten Willen Gottes tatsächlich zu tun. Ich finde es viel schwieriger, den Willen Gottes überhaupt einmal erst zu erkennen.“ Über diesen Einwand habe ich mich sehr gefreut. Denn wo tatsächlich die grundsätzliche Bereitschaft vorhanden ist, alles umsetzten zu wollen, was man als Gottes Willen erkannt hat, da ist eine gute Grundlage geschaffen, dass Gott durch uns wirken kann.

Denn … vieles von dem, was Gott möchte, wissen wir ja eigentlich schon. Zu mindestens dann, wenn wir zwei unterschiedliche Facetten vom Willen Gottes unterscheiden:

  1. Den allgemeinen Willen Gottes, den wir in der Bibel lesen können
  2. Den speziellen Willen Gottes, der konkret in unsere aktuelle Situation hinein spricht

Wer grundsätzlich bereit ist, gehorsam den erkannten Willen Gottes umzusetzen, der kann schon sehr viel konkret tun. Denn Gott offenbart uns in seinem Wort eine Reihe grundsätzlicher Dinge, die er von uns möchte:

  • Micha 6,8: Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?

An anderer Stelle führt die Bibel diese drei Forderungen Gottes noch detailliert aus und verknüpft sie dann auch noch mit den tollsten Verheißungen:

  • Jesaja 58,2-12: Sie suchen mich Tag für Tag und begehren, meine Wege zu kennen, wie ein Volk, das Gerechtigkeit geübt und das Recht seines Gottes nicht verlassen hat; sie verlangen von mir gerechte Urteile, begehren die Nähe Gottes: »Warum fasten wir, und du siehst es nicht, warum kasteien wir unsere Seelen, und du beachtest es nicht?« … Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einen dem Herrn wohlgefälligen Tag?  Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe.

    Dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, das ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst?

    Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird rasche Fortschritte machen; deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein!

    Dann wirst du rufen, und der Herr wird antworten; du wirst schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! Wenn du das Joch aus deiner Mitte hinweg tust, das höhnische Fingerzeigen und das unheilvolle Reden; wenn du dem Hungrigen dein Herz darreichst und die verschmachtende Seele sättigst — dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag! Der Herr wird dich ohne Unterlass leiten und deine Seele in der Dürre sättigen und deine Gebeine stärken; du wirst sein wie ein wohlbewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, deren Wasser niemals versiegen.

    Und die aus dir hervorgehen, werden die Trümmer der Vorzeit wieder aufbauen, du wirst die Grundmauern früherer Geschlechter wieder aufrichten; und man wird dich nennen »Der die Breschen vermauert und die Straßen wiederherstellt, damit man dort wohnen kann«.

Ich glaube, dass der allgemeine Wille Gottes in der Bibel schon so konkret ist, dass man im Grund  den speziellen Willen Gottes gar nicht mehr bräuchte, um „genug zu tun“ zu haben! Und ich halte es für wichtig, dass sich jeder Einzelne schon an dieser Stelle einmal fragt, wie hoch tatsächlich die Bereitschaft, diesen offensichtlichen Willen Gottes in seinem Alltagsleben umzusetzen.

Aber natürlich möchte man über diesen allgemeinen Willen Gottes hinaus gerne auch konkreter wissen, was Gott in der jeweiligen Situation wünscht: Welchen Hungrigen sollen wir das Brot brechen? Welchen Unterdrückten sollen wir helfen? Welchen Armen sollen wir Kleidung bringen? Da man nicht allen Menschen – auch nicht allen Nachbarn - helfen kann, muss man sich einfach die Frage stellen, welchen Personen oder auch  Gruppen man nun ganz konkret dienen soll? Und darum ist es wichtig, immer wieder auch ganz spezielle Offenbarungen des Willen Gottes für seine konkrete Situation zu erhalten.

Das perfekte Beispiel für eine Person, die ganz  den speziellen Willen Gottes gesucht, bekommen und auch befolgt hat ist Jesus Christus.

  • Joh. 8,28-29: Darum sprach Jesus zu ihnen: … ich tue nichts von mir selbst aus, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der, welcher mich gesandt hat, ist mit mir; der Vater lässt mich nicht allein, denn ich tue allezeit, was ihm wohlgefällt.

Im Leben von Jesus können wir deutlich erkennen, wie der Sohn immer wieder die enge Gemeinschaft mit seinem Vater gesucht hat. Nach diesen Zeiten der Stille vor Gott „wusste“ Jesus dann, was er konkret zu tun hatte.

  • Luk 6:12-16:Es geschah aber in jenen Tagen, dass er hinausging auf den Berg, um zu beten; und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: Simon…

Und zu eben dieser engen Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch rät Jesus dann auch später seinen Jüngern.

  • Joh 15:4-5:  Bleibt in mir, und ich bleibe in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Aus meiner Sicht sind diese Worte von Jesus so etwas wie die Schlüsselanweisung für jeden Jünger, der gerne „wissen möchte“, was er konkret tun soll. Den Jesus sagt sehr deutlich: Ohne diese enge Gemeinschaft mit mir könnt ihr nichts tun!Wenn ihr aber enge Gemeinschaft mit mir haben, dann werdet ihr Frucht bringen.

Es fällt auf, dass Jesus nicht konkret erklärt, wie wir als seine Jünger erfahren werden, was wir konkret tun sollen! Überhaupt findet man in der Bibel so gut wie keine detaillierten Informationen darüber, wie ein Mensch den Willen Gottes erkennen kann. Was aber in der ganzen Schrift sehr deutlich wird ist das Prinzip: Gewissheit über den konkreten Willen Gottes im eigenen Leben entsteht  in und durch die enge Gemeinschaft mit Jesus!

Dieses Prinzip wird sehr deutlich, wenn Jesus seinen Jüngern mitteilt, dass sie ihn trotz seines Weggangs in den Himmel eines Tages wiedersehen werden.

  • Joh 16:22-23: So habt auch ihr nun Traurigkeit. Ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand soll eure Freude von euch nehmen. Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen ...

In dem Moment, wo wir leibhaftig Gemeinschaft mit Jesus haben werden – in dem Moment werden wir keine Fragen mehr haben. Doch so lange, wie diese leibhaftige Gemeinschaft noch nicht gegeben ist, so lange gilt das Prinzip: Desto engere Gemeinschaft ich schon jetzt mit Jesus haben, desto weniger Fragen werde ich haben. In Bezug auf die Frage nach dem Willen Gottes bedeutet das: Desto engere Gemeinschaft ich mit Jesus haben, desto genauer werde ich wissen, was zu tun ist.

Ein weiterer Aspekt ist in dieser Hinsicht auch noch wichtig. Denn schlussendlich geht es ja nicht nur darum, den Willen Gottes erkannt zu haben. Sondern wie wir Eingangs schon festgestellt haben: Vor allem geht es darum, den Willen Gottes dann auch zu tun. Und auch für die Umsetzung des Willens Gottes ist enge Gemeinschaft mit Jesus eine absolute Notwendigkeit. Denn wenn Jesus seinen Jüngern sagt: Ohne mich könnt ihr gar nichts tun (Joh 15,5), dann spielt er nicht nur auf das  „Wissen des Willen Gottes“ an. Es braucht mehr für die Umsetzung als reines „Wissen“!

  • Mat 10,1: Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister, sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.

Mir wurde wieder ganz neu bewusst, dass wir als Einzelne und als Gemeinde nicht nur das „göttliche Wissen“, sondern vor allem auch „göttliche Vollmacht“ benötigen, um den Willen Gottes konkret, fruchtbar und machtvoll auszuführen. Wenn Jesus sagt, dass wir ohne die enge Gemeinschaft nicht in der Lage sind fruchtbar zu wirken, dann wollte er wohl auch auf diesen Aspekt hinweisen.

Wir sehen also: Sowohl die Erkenntnis des konkreten Willen Gottes als auch die Vollmacht, diesen Willen konkret, fruchtbar und machtvoll umzusetzen hängt an der Intensität der Gemeinschaft, die wir mit unserem Herrn Jesus Christus pflegen. Und an dieser Stelle ist dann jeder Einzelne gefragt für sich zu überlegen, wie viel Raum und Zeit Jesus in seinem Alltag gibt.

Alles Liebe, euer Marlon