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Hallo liebe Leser meines bibelBLOG. Heute habe ich die Bergpredigt von Jesus aus Mt 5-7 gelesen. Es gibt wohl nur wenige Texte in der Bibel, die ähnlich bekannt sind. Auch Nichtchristen kennen Aussprüche wie „selig sind die geistig Armen“ oder „wenn du auf die recht Backe geschlagen wirst, halte auch die andere dar“. Doch was bedeuten die Aussagen der Bergpredigt wirklich?

Fakt ist … wer die Bergpredigt auch als Gebot für heute akzeptiert, der sieht sich mit einer spannenden Herausforderung konfrontiert. Denn Jesus macht am Ende seiner Predigt ganz klar: Nur derjenige, der die Wort dieser Predigt tut, dessen Lebenshaus wird bestand haben (Mt 7,24-27). Es gilt also: Alles oder gar nichts! Doch mal ehrlich … was geschieht in uns, wenn wir folgende Aufforderungen Jesu in der Bergpredigt lesen:

  1. Seid Glücklich wenn ihr geistlich arm und wenn ihr traurig seid. Seid glücklich wenn ihr geschmäht und verfolgt werdet (Mt 5,3-12).
  2. Ihr werdet in die Hölle kommen, wenn ihr euren Bruder beleidigt (Mt 5,22).
  3. Komm niemals in die Gegenwart Gottes, solang du einen Konflikt mit jemand anderem hast (Mt 5,23-24)
  4. Einige dich immer mit deinem Gegner (Mt 5,25-26).
  5. Du begehst schon Ehebruch, wenn du nur eine Frau gierig anschaust (Mt 5,27-28).
  6. Verführt dich eines deiner Körperteile zur Sünde, dann entferne es von dir. Ansonsten kommt du in die Hölle (Mt 5,29-30).
  7. Du darfst dich niemals von deiner Frau trennen, außer sie betrügt dich (Mt 5,31-32).
  8. Du sollst immer absolut glaubwürdig reden. Ja soll bei dir immer Ja sein und Nein soll bei dir immer Nein sein (Mt 5,33-37).
  9. Wehre dich niemals wenn du angegriffen oder übervorteilt wirst (Mt 5,38-42).
  10. Liebe deine Feinde so, wie du auch deine Freunde liebst (Mt 5,43-47).
  11. Sei vollkommen wie  Gott (Mt 5,48).
  12. Gib jedem der dich darum bittet (Mt 6,1-2)
  13. Gib immer nur uneigennützig (Mt 6,3-4).
  14. Bete nicht in der Öffentlichkeit (Mt 6,5-6).
  15. Bete nur das „Vater unser“ (Mt 6,7-15).
  16. Faste so, dass andere es nicht mitbekommen (Mt 6,16-18).
  17. Tue nichts für ein gutes Ein- und Auskommen hier auf der Erde (Mt 6,19-24).
  18. Sorge nicht niemals (Mt 6,25-34).
  19. Richte niemanden außer dich selber (Mt 7,1-6).

Als noch einmal die Frage, was geschieht in uns, wenn wir all diese Dinge lesen, die Jesus in der Bergpredigt befiehlt? Ich würde behaupten, dass man als Leser sofort denkt: Das ist unmöglich! Das ist absolut nicht zu schaffen!

Doch wie schon gesagt: Jesus mach am Ende seiner Predigt klipp und klar, dass es darum geht, diese Gebote hundertprozentig zu erfüllen. Jeder, der diese Gebot nicht hält ist ein schlechter Baum mit schlechten Früchten (Mt 7,16-20). Jeder, der diese Gebot nicht hält ist jemand, der zwar „Herr, Herr“ sagt, aber dennoch als Gesetzloser von Jesus verstoßen werden wird (Mt 7,21-23). Die Gebote der Bergpredigt sind eben die so bekannte „enge Pforte“ und der „schmale Weg“ zum Leben. Wer sie nicht gehen kann oder will, der wird ins Verderben wandern (Mt 7,13-14).

Ich schreibe das so klar, damit jedem von uns deutlich wird … es kann unmöglich die Absicht von Jesus gewesen sein, ernsthaft von seinen Zuhörern zu verlangen, die Gebot der Bergpredigt zu erfüllen! Das Volk Israel hatte es über Jahrhunderte hinweg nicht einmal geschafft, dass ursprünglich Gesetz von Mose zu halten. Doch in seiner Bergpredigt geht Jesus hin, nimmt das Gesetz von Mose und verschärft es noch einmal (Mt 5,21.27.33.43). Wie konnte und kann Jesus ernsthaft glauben, dass irgendjemand diese Gebote erfüllen kann? Wenn überhaupt, dann ist die Bergpredigt eine „Predigt der Unmöglichkeiten“. Niemals ist die Bergpredigt eine „ernsthafter Maßstab“ fürs alltägliche Leben.

Meiner Meinung nach hat Jesus die Bergpredigt niemals mit der Absicht gelehrt, dass irgendjemand diese Gebote erfüllen soll. Ich glaube, dass die Absicht von Jesus genau das Gegenteil davon war! Jesus lehrte die Bergpredigt, um damals wie heute ganz deutlich zu zeigen: Kein Mensch kann von sich aus dem Anspruch Gottes genügen! Es ist unmöglich, alle diese Gebote zu halten. Und da ein Mensch nur dann ins Reich Gottes kommt, wenn er alle diese Gebote erfüllt, dann kommt kein Mensch aus eigener Gesetzestreue ins Reich Gottes (Mt 5,20).

Ich bin davon überzeugt, dass die Bergpredigt genau diese Absicht verfolgt: Jesus wollte seinem Volk klar machen, dass sie es nicht ohne ihn ins Reich Gottes schaffen würden. Er wollte klar machen, dass sie – obwohl sie das Volk Gottes waren – dennoch einen Erlöser und Retter brauchten.

Darum macht Jesus direkt zu Beginn der Bergpredigt klar: Ich bin derjenige, der alle diese Gebote halten kann. Ich bin derjenige, der jedes noch so kleine Gesetz Gottes halten wird. Ich bin derjenige, der das Gesetz erfüllen kann und wird (Mt 5,17-20).

Wer die Bergpredigt als „Leitfaden“ und „Richtschnur“ fürs Leben liest, der wird schnell verzweifeln. Wer die Bergpredigt aber als „Messlatte“ Gottes ließt, die unmöglich zu überspringen ist, der wird sich an denjenigen wenden, der von sich sagt, dass er dieses Gesetz bis ins kleinste hinein erfüllen wird.

 Ich bin überzeugt davon, dass Jesus sich seinem Volk damals noch viel eindeutiger als Retter gezeigt hätte, wenn sie ihn nicht zuvor als solchen rigoros abgelehnt hätten. Doch uns als Christen im Zeitalter nach Pfingsten … uns hat sich Jesus durch die Texte des Neuen Testaments als dieser Retter aus aller Sünden und Not offenbart (Rö 3,21-31). Wir dürften die Bergpredigt also voller Freude lesen - nicht im Hinterkopf, all diese „Unmöglichkeiten“ selber mehr erfüllen zu müssen – sondern stattdessen voller Begeisterung darüber, dass Jesus all dieses „Unmöglichkeiten“ an unserer Stelle bereits erfüllt hat. Durch den Glauben an Jesus haben wir bereits erfüllt, was Jesus in Mt 5,48 noch als Forderung an sein Volk beschreibt: „Ihr sollt vollkommen sein“!