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bibelBLOG

Hallo liebe Leser meines bibelBLOG. Die letzte Woche bin ich gerade nicht dazu gekommen, etwas Neues aufzuschreiben. Das soll kein Dauerzustand sein. Denn durchs Schreiben im bibelBLOG reflektiere ich den Bibeltext viel besser. Doch auch wenn ich nicht schreibe – meine Bibel lese ich regelmäßig.

Wenn ich predige, dann forderte ich meine Zuhörer auf, in ihren Bibeln den Text mitzulesen. Natürlich weiß ich, dass viele in die Gemeinde kommen, ohne ihre Bibel mitzubringen. Oft provoziere ich dann ein wenig und sage Sätze wie: „Schämt euch, wenn ihr die Bibeln zu Hause vergessen habt“.

Immer wieder werde ich gefragt, warum es mir so wichtig ist, dass die Zuhörer den Bibeltext während der Predigt vor sich haben.

Ich finde diese Frage sehr gut, denn sie zeigt, dass man sich Gedanken macht. Ich möchte ganz kurz beantworten, warum es meiner Meinung nach wichtig ist, die Bibel bei einem Vortrag oder einer Predigt vor sich zu haben:

(1) Seine Bibel im Gottesdienst dabei zu haben, kann ein Ausdruck dafür sein, welchen Stellenwert die Bibel grundsätzlich im Leben hat. Natürlich weiß ich, dass solch eine Behauptung nicht universal gilt. Hat man kleine Kinder, die man am Sonntagmorgen füttern, anziehen und heil zum Kindergottesdienst bringen muss, dann braucht man sich vom Pastor nicht noch Stress machen lassen, wenn man die Bibel vergessen hat. Ist man alt und gebrechlich und muss eventuell sogar noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Gemeinde fahren, dann ist es oft viel zu anstrengend, die eigene Bibel – womöglich noch mit Großdruck und dementsprechend schwer – mit in den Gottesdienst zu tragen. Nichts desto trotz wage ich zu behaupten, dass die oft zu beobachtende „Bibellosigkeit“ in unseren Gottesdiensten eine Ausdruck des Stellenwertes ist, den das Wort Gottes in unseren Gemeinden grundsätzlich hat. Viel Christen machen ihre „Stille Zeit“, wenn überhaupt, nur noch mit der Losung oder einem Andachtsbuch. Nicht das diese Praxis grundsätzlich schlecht wäre. Schlecht ist sie aus meiner Sicht nur dann, wenn man die Bibel zusätzlich nicht mehr liest. Warum? Damit kommen wir zum zweiten Punkt.

(2) Oft bekomme ich gesagt, dass man lieber die Bibel erklärt bekommt, als die Bibel selber zu lesen. Unter Umständen kann ein solches Vorgehen richtig sein (Neh 8,8). Aber solch ein Ansatz ist gleichzeitig auch ein Bekenntnis zur eigenen Unwissenheit. Und diese sollte doch nicht Dauerzustand bleiben, oder? Der Autor des Hebräerbriefes fordert jeden Christen dazu auf, selber in der Lage zu sein, dass Wort Gottes zu verstehen, auf sich anzuwenden, darin zu wachsen und es weitergeben zu können (Hebr 5,11-13). Wer sich die Bibel nur erklären lässt, ohne selber genau zu wissen, was der Text wirklich sagt, der kann zu einem Spielball der Meinung anderer Menschen werden Er ist nämlich nicht in der Lage, richtig und falsch anhand der Bibel zu unterscheiden (Hebr 5,14). Wer die Bibel nicht selber durch regelmäßiges Lesen und Studieren kennt, der wird nicht wissen, auf wen er zu hören und von wem er sich fern zu halten hat (1Tim 6,3-5). Und solch ein Wissen ist natürlich auch in der Predigt wichtig: Wie soll ich sonst den Ratschlag von Paulus befolgen, alles zu prüfen und nur das Gute zu behalten, wenn ich gar nicht genau weiß, was von der Bibel her das Gute ist (1Thess 5,21)?

(3) Es gäb noch viel dazu zu sagen. Aber ich möchte nur noch einen letzten Punkt betonen, warum ich glaube, dass die Bibel wichtig ist – gerade auch im Gottesdienst. Das Wort Gottes an sich wird als lebendiges Schwert bezeichnet, das in der Lage ist, unsere Seele zu durchdringen (Hebr 4,12). Ich glaube darum, es in einer Predigt nicht so sehr auf den Prediger, sondern mehr auf den Text des Wortes Gottes ankommt. Die Bibel berichtet über die Endzeit als eine Zeit, in der auch innerhalb von Gemeinden die gesunde Lehre nicht mehr gepredigt werden wird. Stattdessen wir gepredigt, wonach die Ohren jucken (2Tim 4,3). Auch wenn nicht ganz eindeutig ist, was Paulus damit meint, so stelle ich doch fest, dass in vielen Gemeinden am Sonntag immer weniger die Bibel ausgelegt wird. Fällt nur mir auf, dass der Bibeltext in vielen Predigten nur noch am Rande behandelt wird, wohingegen Erlebnisse, Geschichte und Erkenntnisse aus der Soziologie, Psychologie und Kommunikationstheorie immer häufige im Vordergrund stehen?

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich halte die Erkenntnisse aus anderen Bereichen der Wissenschaft für wichtig. Aber wenn die Predigt nicht mehr aus dem Wort Gottes gespeist wird, dann hat sie nicht mehr die Kraft, unsere Seelen zu durchdringen und unsere Herzen und Gedanken zu richten (Hebr 4,12). Die „Bibelosigkeit“ in vielen Gemeinden verstehe ich unter anderem als Reaktion auf diese neue Art zu Predigen. Viele Christen bringen ihre Bibeln nicht mehr mit, weil sie gemerkt haben, dass sie eigentlich kaum mehr braucht. Doch sollten wir nicht dagegen aufstehen und unsere „Schwerter“ ganz bewusst gegen diesen Trend zücken. Sollten wir nicht unsere Bibeln auf dem Schoß haben und somit deutlich machen, dass wir keine menschlichen Worte, sondern Gottes Worte hören und verstehen wollten?

Ich halte es für wichtig, dass jeder Zuhörer seine ganz persönliche Abschrift vom Wort Gottes bei sich hat. Dort hat er den Text vor sich, an den er gewöhnt ist. Dort kann er wichtige Dinge markieren und Parallelstellen nachschlagen. Dorthin kann er am Nachmittag nochmal zurück schlagen und das Gehörte vertiefen. Gegebenenfalls kann er auch aufstehen und nachfragen, wenn er mit einigen Aussagen nicht einverstanden ist.

Es ist nicht mein Anliegen unter Druck zu setzten. Es gibt ganz bestimmt wichtigere Dinge am Sonntagmorgen, als daran zu denken, seine Bibel in den Gottesdienst mitzubringen. Aber vielleicht schafft dieser Text ja einen Diskussionsbeitrag, der dazu führt, dass wir uns und unsere Einstellung zum Wort Gottes einmal neu durchdenken.

Euer Marlon Heins