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So wusste Gott auch ganz genau, wie viel Heuchelei in der Anbetung und im Gottesdienst seines Volkes Israel zu finden war. Dieses „Wissen“ von Gott hat mich sehr nachdenklich gemacht in Bezug auf meine eigene Einstellung zur Gemeinde, zum Glauben und zur Nachfolge. Wie würde Gott mich  beurteilen?

Israel kommt in der Beurteilung Gottes nicht wirklich gut weg. Gott kündigt dem Hesekiel zwar an, dass etliche aus dem Volk zum „Gottesdienst“ kommen würde, aber gleichzeitig macht Gott klar, dass Hesekiel nur recht wenig von diesem äußerlichen Gehorsam zu halten braucht. Gott sagt: „Sie (das Volk) wird zu dir (Hesekiel) kommen … und deine  Worte hören, aber nicht danach handeln. Denn wie sie auch mit dem Mund ihre Liebe bekunden, so läuft ihr Herz doch hinter dem Gewinn her“ (Hes 33,31).

Gott wusste genau, dass das Volk seinen Worten nicht gehorchen wurde. Und Gott wusste auch, dass die Liebesbekundungen des Volkes nur Lippenbekenntnisse waren, von denen nichts zu halten war.  Wie oft singe ich die „hingegebensten Liebeslieder“ an unseren Gott und Herren, aber was ist von solchen Bekenntnissen zu halten? Was bleibt davon übrige, wenn die Musik aufhört? Was genau davon meinen wir tatsächlich ernst und lassen es in unserem Alltag sichtbar werden?  

Gott sieht bis ins Herz und er weiß ganz genau, was von dem zu halten ist, was wir tun, sagen oder behaupten. Gott weiß, ob unsere Liebe echt ist oder ob unser Herz in Wahrheit ganz anderen Prioritäten nachjagt. Gott lässt sich von uns nicht an der Nase herumführen.

Wer begreift, dass er vor Gott wie ein offenes Buch ist, der kann  verschieden darauf reagieren. Zuerst einmal kann er diese Tatsache ignorieren und anfangen, so zu tun, als ob diese Wahrheit nicht stimmen würde. Es gibt viele Menschen, auch viele Christen, die einfach so weiter machen wie bisher und auf eine, für mich unglaubliche Weise verdrängen, dass Gott weder Sünde noch Heuchelei im Leben dauerhaft dulden kann.

Ein besseres Vorgehen ist aus meiner Sicht, sich vor Gott ganz demütig hinzuknien und demütig um seine Vergebung zu bitten. Denn … es ist nun mal eine traurige Tatsache, dass ich als Menschen einfach nicht dauerhaft in der Lage bin, ALLEIN Gott zu dienen und NUR ihn zu lieben. Ich bin ein Mensch und immer wieder werde ich von Gott weg hin zu andere Dinge  hingezogen, die mich faszinieren und ablenken – ablenken von Gott.

Das wunderbare ist, dass Gott um diese Tatsache auch Bescheid weiß. Gott weiß, dass ich als Mensch nicht in der Lage bin, der „Sünde“ und der „Heuchelei“ und auch sonst irgendwelchen „Ablenkungen“ dauerhaft den Rücken zu kehren. Gott kannte diese Neigung zum Bösen auch bei seinem Volk Israel. Und darum verspricht Gott, dass er eines Tage jedem seiner Kinder ein Herz schenken wird, dass dann tatsächlich in der Lage ist, nicht mehr zu sündigen: „Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut. (Hes 36,26-27).

Doch so lange, wie ich als Menschen – auch als gläubiger Mensch – noch nicht dieses sündenfreie Herz in mir habe, so lange muss ich immer wieder demütig zu meinem Gott kommen und ihm meine Heuchelei bekennen. Doch ich freue mich schon auf den Tag, wo Gott es auch „bei mir bewirkt“, dass aus meinen „steinernen und sündigen Herzen“ eine „neues Herz“ wird. So lange möchte ich versuchen, mehr und mehr dem Heiligen Geist Gottes die Kontrolle in mir zu überlassen, so dass ich mehr und mehr, trotz sündiger Neigungen in mir, ein brauchbarer Nachfolger sein darf.