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Offensichtlich hatte Hesekiel seine Frau sehr lieb, denn Gott spricht von Hesekiels Ehefrau als "Lust seiner Augen". Die Frau von Hesekiel hatte keine Sünde begangen. Auch Hesekiel hatte alles gehorsam ausgeführt, was Gott von ihm wollte; selbst die widerlichsten und ungewöhnlichsten Aufträge hatte Hesekiel (fast) ohne Murren erfüllt. Doch Gott wollte noch mehr von seinem Propheten:

"Menschensohn, siehe, ich will die Lust deiner Augen durch einen [plötzlichen] Schlag von dir wegnehmen; aber du sollst weder klagen noch weinen und keine Tränen darüber vergießen. Seufze still, aber veranstalte keine Totenklage! Binde deinen Kopfbund um und lege deine Schuhe an deine Füße; verhülle den Bart nicht und iß das Brot der Leute nicht. Und ich redete am Morgen früh zu dem Volk, und am Abend starb meine Frau. Da handelte ich am anderen Morgen so, wie mir geboten war." (Hesekiel 24,16-19)

Als ich diese Verse gelesen haben, da ging mir nur ein Satz durch den Kopf: "Oh mein Gott!". Wie konnte Gott nur so etwas schreckliches von Hesekiel fordern. Vor allem auch deshalb, weil das Gericht über Israel doch sowieso schon beschlossene Sache war. Wieso konnte Gott dem Hesekiel nicht wenigstens seine liebe Ehefrau lassen, wo er doch auch so schon Schreckliches würde durchmachen müssen?

Ich glaube, dass wird die Entscheidung Gottes an dieser Stelle nicht verstehen können. ABER wir können durch diese Verse viel über Gott und seine Perspektive auf unser Leben erkennen. Viele Christen behaupten vehement, dass Gott für "seine Kinder" immer nur das Beste möchte. Viele Christen glauben, dass Gott nicht möchte, dass Menschen leiden, das Menschen krank werden und das Menschen sterben. ABER Fakt ist, dass all diese leidvollen Dinge - ob Gott sie nun theoretisch möchte oder nicht -Teil unseres Lebens sind - gerade auch Teil unseres Lebens mit Gott! 

Gott scheint unser Leben als Menschen - ganz unabhängig davon ob wir nun an ihn glauben oder nicht - aus einer gänzlich anderen Perspektive zu betrachten, all wie wir als humanistisch gepräge Menschen es tun. Leid, Tot, Terror und Grausamkeiten gehören scheinbar aus Gottes Sicht untrennbar zu diesem Leben und auch zu seinem Plan für diese Welt dazu. Gott lässt Menschen sterben! Gott lässt auch Kinder verhungern und Frauen misshandeln. Oft ist es sogar auf Gottes ganz direkten Befehl hin passiert, dass "sein geliebtes Volk" und "seine geliebten Kinder" all diese schrecklichen Leiden erdulden mussten. Das Alte und auch das Neue Testament mit seiner Kirchengeschichte ist voll davon.

Gott ist kein Humanist! Und zu Gottes Plan gehört es, dass Menschen ganz schreckliches Erdulden müssen. Gott bewahrt uns nicht vor Schlimmen; im Gegenteil sogar - er mutet uns oft sogar die allerschlimmsten Schläge zu, so wie bei Hesekiel.

Aus einer menschlichen Perspektive betrachtet hätte Gott sich auch eine andere Gegenstandslektion ausdenken können, als die geliebte Ehefrau von Hesekiel abzurufen. Aus menschlicher Perspektive betrachtet, hätte Hesekiel durchaus schreien und leiden können, wen die Lust seiner Augen einfach so von Gott "getötet" wird.

Aber genau das unterscheidet eben einen "wahrhaft Glaubenden" von allen anderen Menschen; ein wahrhaft Glaubender interpretiert die Schritte Gottes nicht aus seiner persönlichen, menschlichen Perspektive. Ein wahrhaft Glaubender überlässt es Gott, zu entscheiden, was zu tun ist - ohne zu diskutieren - ohne zu verhandeln - ohne zu hinterfragen. 

Solch ein Verhalten ist natürlich nicht mehr "menschlich" sondern "übermenschlich". Aber gerade deshalb sollten wir alles daran setzten, dass der Geist Gottes die Oberhand in unserem Leben hat und nicht unser eigener Geist und Verstand. Nur wer erfüllt ist vom Geist Gottes der wird die Kraft haben, auch die oft schwierigen und nicht nachzuvollziehenden Wege Gottes in diesem Leben zu gehen - egal ob er diese versteht, mag oder ertragen kann.