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Hallo liebe Leser meines bibelBLOG. Zurzeit lese ich viel im Propheten Hesekiel. Überaus fasziniert hat mich beim Lesen, dass der Geist Gottes mit Hesekiel wirklich machen konnte was er wollte.

Man überliest es vielleicht öfters, aber Hesekiel scheint während seiner Zeit als Prophet ein „Spielball des Geistes Gottes“ gewesen zu sein.

Immer wieder berichtet Hesekiel davon, wie er plötzlich und unerwartet vom Geist Gottes ergriffen und an jenen oder diesen Ort gebracht wird.

Könnten wir in Hesekiel ein Vorbild dafür haben, wie Gott auch uns im Idealfall durch seinen Geist lenken, leiten und gebrauchen möchte?

Schon ganz am Anfang seines Wirkens wird Hesekiel von Gott schlicht weg überrumpelt. Ohne Vorwarnung erscheint plötzlich die „Herrlichkeit Jahwes“ in Form einer kaum zu beschreibenden Manifestation. Und dann beginnt es: „Und als Gott zu mir redete, kam der Geist in mich und stellte mich auf meine Füße; und ich hörte dem zu, der mit mir redete“ (Hes 2,2). Der sitzende Prophet wird einfach so vom Geist Gottes  gepackt und auf seine Füße gestellt. Eine Einflussnahme durch den Geist Gottes auf den Körper von Hesekiel, die schier unfassbar scheint.

Aber diese Erfahrung sollte für Hesekiel erst der Anfang sein, den nur ein Kapitel  weiter schreibt er: „Da hob mich der Geist empor und nahm mich hinweg; und ich fuhr dahin, erbittert in der Glut meines Geistes und die Hand des Herrn lag fest auf mir“ (Hes 3,14). Ich finde das unglaublich Faszinierend. Nicht nur, dass Gottes Geist den Hesekiel „packt“ und „fortträgt“. Hesekiel beschreibt auch noch ziemlich detailliert, wie er sich dabei fühlt. Denn sein eigener Geist - also er, Hesekiel selber - der fanden diese körperliche Einflussnahme vom Geist Gottes gar nicht so gut. Nicht umsonst kommentiert Hesekiel diesen „göttlichen Übergriff“ mit den Worten: „… ich fuhr dahin, erbittert in der Glut meines Geistes…“. Für mich zeigen diese Worte an, dass Hesekiel gar nicht glücklich darüber war, was dort mit ihm geschah.

Noch „heftiger“ kommt es dann in Kapitel 8. Dort erscheint dem Hesekiel eine Gestalt aus Feuer, die ihn überwältig und nach Jerusalem bringt. Aus dem Text lässt sich gut ableiten, dass hier der Geist Gottes sogar als personifizierte Feuergestalt auftaucht und Hesekiel wegträgt: „Und ich schaute und siehe, ein Gestalt, die aussah wie Feuer … Und er streckte etwas wie eine Hand aus und ergriff mich bei dem Haar meines Hauptes und der Geist Gottes hob mich empor zwischen Himmel und Erde und brachte mich in Gesichten Gottes nach Jerusalem“ (Hes 8,2-3).

Alles in allem erscheint der Heilige Geists im Umgang mit Hesekiel alles andere als zimperlich. Immer wieder greift er direkt auf Hesekiel zu, stellt ihn entweder auf seine Füße oder bringt ihn von einem Ort zum anderen (Hes 3,12 / 3,24 / 11,1 / 11,5 / 11,24 / 37,1 / 43,5) . Nicht immer wählt der Geist dabei eine Umgangsform, die Hesekiel gefällt; wer wird schon gerne an den „Haaren irgendwo hingeschleift“?

Auf der anderen Seite hat mich diese Einflussnahme durch den Heiligen Geist nicht nur abgeschreckt. Denn eigentlich würde ich mir manchmal wünschen, dass Gott mich als Werkzeug viel klarer und direkter gebrauchen würde – so wie er das bei Hesekiel getan hat. Ich nehme ja auch meine Bohrmaschine einfach von der Wand, lege den Bohrer ein und fange an mein Loch zu bohren, ohne dass ich vorher lange mit der Bohrmaschine diskutiere, ob sie nun Lust hat, für mich zu arbeiten oder nicht?

Leider habe ich oft von mir den Eindruck, dass ich als Werkzeug Gottes weniger tauglich bin als meine Bohrmaschine. Natürlich möchte ich auch, dass Gott mich für seinen Plan gebraucht. ABER ich würde gerne einige  Zeit vorher gefragt werden, damit ich mich innerlich darauf vorbereiten kann. Natürlich darf Gott mich dazu  gebrauchen, seine Liebe in meine Nachbarschaft zu bringen. ABER bevor er mich mit Menschen zusammenführt, möchte ich mir gerne noch überlegen dürfen, was ich wann sagen will, oder? Und dann gibt es natürlich auch noch die Dinge, die ich auf gar keinen Fall machen möchte!

Desto mehr ich darüber nachdenke … nein, eigentlich bin ich kein wirklich brauchbares Werkzeug für meinen Herrn. Viel zu oft diskutiere ich mit ihm. Viel zu oft versuche ich, ihn von meinem Willen zu überzeugen.

Ich möchte von Hesekiel lernen, der trotz der eigenen Abneigung bereit war, Gott mit Haut und Haaren (Hes 8,3) zur Verfügung zu stehen. Gott konnte Hesekiel in der Tat voll und ganz einsetzen und dorthin bringen, wo er ihn gerade brauchte. Solche Mitarbeiter sind brauchbare Werkezeug in der Hand Gottes!