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Das Ungewöhnliche dabei ist, dass Gott von Hesekiel so viel „Realismus“ in diesen Gegenstandslektionen verlangt. Wenn man in Hesekiel Kapitel 4 liest, was Gott von Hesekiel fordert, da wird einem schon ein bisschen komisch dabei:

Dabei fängt die erste Lektion eigentlich noch harmlos an. Den Gott möchte, dass Hesekiel aus Steinen die Stadt Jerusalem nachbaut und diese dann im „Spiel“ belagern soll (Hes 4,1-3). Doch dann werden die Forderungen Gottes auf einmal ernster. Hesekiel sollte sich auf die linke Seite legen und in dieser unbequemen Haltung  390 (!) Tage lang liegen bleiben (Hes 4,4-5). Nach dieser schier endlosen Zeit sollte der Prophet sich auf die andere Seite drehen und dort immerhin noch einmal 40 (!) Tage liegen bleiben (Hes 4,6). Dieses „Schauspiel“ war für die Passanten um Hesekiel herum gewiss eindrücklich, doch was verlangten diese Wünsche Gottes dem Hesekiel ab. Über ein Jahr lang auf der Seite liegen, nur um damit zu verdeutlichen, dass Israel insgesamt für 430 Jahre ihre Schuld abbüßen musste.

Und dabei war es mit dem „reinen Liegen“ ja noch nicht getan; Gott wünschte sich noch mehr von Hesekiel: Damit sich dieser nämlich tatsächlich nicht von der Seite in eine andere Position drehen konnte, sollte Hesekiel zusätzlich noch gefesselt werden (Hes 4,8). Mit seiner freien durfte er sich Essen und Trinken zubereiten, aber nur mit Lebensmitteln und Mengen, die typisch waren für die Gefangenschaft (Hes 4,9-11). Zu allem Übel wünschte sich Gott abschließend noch von Hesekiel, dass er sein Brot auf seinen eigenen, getrockneten Exkrementen backen sollte, um somit klar zu machen, dass Israel es genauso in seiner Gefangenschaft würde tun müssen (Hes 4,12-13).

Doch da wurde es Hesekiel zu viel und der Prophet bat Gott um Gnade in dieser Sache. Tatsächlich „erbarmte“ sich Gott über seinen Knecht und erlaubte ihm, anstelle von Menschenkot für das Backen auf „Kuhmist“ umzusteigen (Hes 4,14-15).

Beim Lesen dieses Textes kam mir mehr als einmal die Frage, wieso Gott so „schrecklich“ mit seinem Knecht Hesekiel umgeht? Doch es ist nun mal eben eine Tatsache, dass Gott von seinen  Propheten und Diener im Alten Testament sowie später auch im Neuen Testament Dinge verlangt hat, die oft der Menschenwürde und auch dem Menschenverstand nicht unbedingt entsprachen.

Ich glaube darum, dass wir als Menschen, die über Gott nachdenken, uns ganz neu damit abfinden müssen, dass Gott eben nicht nur „Dinge in unserem Leben“  zulässt, die nachvollziehbar und angenehm sind. Gottes Gedanken und Überlegungen entsprechen nun mal in den meisten Fällen nicht dem, was wir uns überlegt haben (Jes 55,8). Vielleicht sagt Jesus später seinen Jünger auch deshalb, dass sie es sich gut  überlegen sollten, bevor sie einwilligten, Nachfolger dieses Gottes zu werden. In Lukas 14,26-35 fordert Jesus seine Jünger und potentiellen Nachfolger mehrfach dazu auf, die „Kosten für die Nachfolge“ gut zu überschlagen. Wer ein Jünger Jesus und ein Diener Gottes sein möchte, der muss wohl grundsätzlich zu allem bereit sein, was Gott von ihm verlangen könnte. Eben das wollte Jesus wohl verdeutlich, als er zu einen anderen Gelegenheit einmal gesagt hat: „Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Markus 8,34).

So betrachtet haben wir in Hesekiel einen Mann vor uns, der den Ruf in die Nachfolge wirklich verstanden hatte. Er debattiert kaum mit Gott über dessen Forderungen, sondern war grundsätzlich bereit, jeden noch zu unverständlichen Befehl einfach und still auszuführen. Jüngerschaft bedeutet somit, Gott nicht zu hinterfragen, sondern darauf zu vertrauen, dass Gott weiß was er tut. Haben wir verstanden was Nachfolge bedeutet? Haben wir für uns die „Kosten der Nachfolge schon überschlagen“?