Glaubensfragen
Antworten auf Fragen zum christlichen Glauben

Gemeinde ist (eigentlich) unkaputtbar (Mt16,18-19)

Das Wort „Unkaputtbar“ kenne ich durch einige Werbeslogans aus den 90iger Jahren. Als damals die Plastikflaschen aufkamen, wurde damit geworben, dass diese im Gegensatz zu den Glasfalschen „unkaputtbar“ waren. Jesus sagt etwas ähnlich über die christliche Kirche. Als er mit Petrus darüber sprach, dass dieser eines Tages zu einem „Felsen der Gemeinde“ werden sollte, erfahren wir folgendes:

Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreichs sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein; und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. Matthäus 16:18-19

Das Wort Pforten kann auch mit Stadt, Tempel, Gefängnis oder Palast übersetzt werden. Das Wort Totenreich kann auch mit Hölle wiedergeben werden. Gemeint ist also der Ort, wo sich die Mächte der Finsternis aufhalten. Jesus sagt: Diese Mächte haben nicht genug Kraft, um die weltweite Christenheit zu zerstören. Diese Tatsache wird im Neuen Testament immer wieder betont. So können wir in Lk10,19 lesen: Siehe, ich gebe euch die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch in irgendeiner Weise schaden.

Christen haben durch den Heiligen Geist in sich weitaus mehr Macht über das Böse als umgekehrt. Das ist so, auch wenn viele von uns sich dieser Überlegenheit nicht immer bewusst sind. Bei einem unserer Straßeneinsätze sprach ich neulich einen Mann an, der mit seinem Hund sparzieren ging. Es handelte sich um einen großen Hund der stark an seiner Leine riss. Doch dann passierte etwas Interessantes. In dem Moment, als ich den Mann ansprach, jaulte der Hund auf, zog den Schwanz ein und versteckte sich hinter seinem Herrchen. Der Mann selbst blieb wie angewurzelt stehen und schaut mich aus einem Abstand von drei Metern irritiert an. Nach wenigen Sekunden kam mir der Gedanke, dass es sich bei diesem Mann um einen Satanisten handelte. Ich fühlte die Freiheit, ihn danach zu fragen, was ihn nur noch mehr verunsicherte.  

Das Gespräch verlief zügig. Er bestätigte die Sache mit dem Satanismus und weigerte sich, uns seinen Namen zu sagen. Auch durfte ich ihm nicht zu nah kommen. Vehement verweigerte er uns jegliche Berührung. Schlussendlich konnten wir zu zwei für ihn beten, indem wir unsere Hände in seine Richtung ausstreckten. Das erstaunliche war, dass der große Hund mit eingezogenem Schwanz die ganze Zeit über zusammengekauert hinter seinem Herrchen wartete. Er schien ein Spiegelbild von dem zu sein, was sein Herrchen fühlte.

Dieses Erlebnis verdeutlich, was Jesus damals schon seinen Jüngern gesagt hatte: Der Teufel und seine Dämonen haben eigentlich keine Macht über uns. Darum braucht eine Gemeinde, die erfüllt und geleitet wird vom Heiligen Geist auch keine Berührungsängste mit irgendwelchen Menschen außerhalb der gläubigen Szene zu haben.  

Die zweite Sache, die Jesus dem Petrus prophezeit, ist folgendes: Christen haben Schlüsselgewalt im Reich Gottes. Damit gemeint ist folgendes: Christen können durch ihre Gegenwart, ihre Worte und ihre gottgegebene Autorität Dinge in der sichtbaren und unsichtbaren Welt beeinflussen. Und genau hier möchte ich zurück kommen auf den Titel dieses Textes: Gemeinde ist (eigentlich) unkaputtbar! Wir haben gesehen, dass die Mächte der Finsternis einer Ortsgemeinde eigentlich nichts anhaben können. Aber die Schlüsselgewalt der Mitglieder dieser Ortsgemeinde ist ein Punkt, der einer christlichen Gemeinschaft sehr wohl schaden kann! Die biblische Gemeinde in Ephesus ist ein trauriges Beispiel genau dafür. In der Offenbarung können wir Jesus Beurteilung und Ratschlag an die Christen in Ephesus lesen:

Ich kenne deine Werke und deine Bemühung und dein standhaftes Ausharren … um meines Namens willen hast du gearbeitet und bist nicht müde geworden. Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme ich rasch über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegstoßen, wenn du nicht Buße tust! Offenbarung 2:2-5

Ich finde diese Worte dramatisch, jedes Mal, wenn ich sie lese. Das, was die Mächte der Finsternis nicht erreichen können, dass können wir erreichen, wenn wir aufhören, die Liebe an erste Stelle zu stellen. Eigentlich wäre eine Gemeinde unkaputtbar! Aber wir als Christen haben die Schlüssel in der Hand, ob unsere Gemeinde im Segen unterwegs ist, oder nicht. Der Schlüssel, denn Jesus nennt, ist die erste Liebe. Wer sich mit der Bibel beschäftigt, der weiß genau, was damit gemeint: Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach dem Schriftwort: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!«, so handelt ihr recht; Jakobus 2:8

Eigentlich ist eine Gemeinde unkaputtbar. Aber dort, wo Christen aufhören, ihren Nächsten so zu lieben, wie sich selbst, verlöscht das Licht ihrer Gegenwart im Laufe der Zeit. Das, was die Pforten der Hölle nicht schaffen, ist über die Kirchengeschichte hinweg von unzähligen christlichen Bewegungen, Gemeinschaften und Kirchen selbstständig erledigt worden. Jesus riet den Christen in Ephesus, einfach wieder anzufangen, die Liebe zu praktizieren. Damit wird für mich deutlich, dass es möglich ist, sich zusammen zu reißen und einfach zu entscheiden: Ab sofort höre ich auf, schlecht über meine Mitchristen zu denken und zu reden. Ab sofort stellt ich meine Vorstellungen hinten an und lerne mich an allem Neuen zu freuen. Ab sofort schaue ich nicht mehr einzig auf meine Bedürfnisse, sondern machte mir Gedanken darüber, wie es den anderen gut geht. Wenn wir anfangen, so zu denken und zu handeln, dann ist auch unsere Gemeinde wirklich unkaputtbar.