Glaubensfragen
Antworten auf Fragen zum christlichen Glauben

Geduldig tun, was man auf dem Herzen hat (Lk8,15)

Neulich wurde mir folgender Vers wichtig: Das in dem guten Erdreich aber sind die, welche das Wort, das sie gehört haben, in einem feinen und guten Herzen behalten und Frucht bringen in geduldigem Abwarten. Lk8,15

Häufig entwickeln sich die Dinge im Leben anders als erhofft. Das betrifft vor allem den zeitlichen Aspekt. Sehr oft brauchen Veränderungen mehr Zeit als erwartet. Jesus bestätigt in diesem Vers, dass Geduld eines der wichtigsten Tugenden für seine Jüngerinnen und Jünger ist.

Wer in seinem Leben Nachhaltig sein möchte, der muss verstehen: Frucht mit Ewigkeitswert entsteht meistens nicht über Nacht. Eine Pflanze wächst nicht in wenigen Stunden zu ihrer vollen Pracht heran. Genauso ist mit dem Heiligen Geist. Die Früchte des Geistes brauchen Zeit, um neben unseren Festlegungen, Ängsten und Schwächen zur Geltung kommen zu können.  

Der obige Vers stammt aus dem bekannten Gleichnis vom Sämann (Lk8,1-15). Jesus macht deutlich, dass es an unserer Herzenshaltung liegt, ob der Heilige Geist wirkungsvoll durch uns fließen kann. Viele Christen wünschen sich, die Kraft Gottes erleben zu können. Nach einer motivierenden Predigt oder einem mitreißenden Buch haben wir schnell den Wunsch, voll für Gott zu leben. Doch schon am nächsten Tag sind die guten Vorsätze häufig vergessen. Jesus beschreibt diesen Umstand folgendermaßen: „Der Same ist das Wort Gottes … Was aber unter die Dornen fiel, das sind die, welche es gehört haben. Aber sie … werden von Sorgen und Reichtum und Vergnügungen … erstickt und bringen die Frucht nicht zur Reife.“ Lk8,13-14

Geistliche Frucht braucht Zeit, um sich entwickeln zu können. Darum ist es wichtig, die Verheißungen Gottes in einem „feinen und gutem Herzen“ zu behalten und geduldig auf die Frucht des Heiligen Geistes zu warten. Aber Achtung: Geduldiges Warten meint nicht Nichtstun! Genau darum schiebt Jesus unmittelbar nach dem Gleichnis vom Sämann folgende Aussagen nach: „Niemand aber, der ein Licht anzündet … stellt es unter ein Bett … meine (Nachfolger) sind die, welche das Wortes hören und es tun!“ Lk8,16 + 21

Wer Abwarten mit Nichtstun verwechselt, wird kaum mit Frucht rechnen können. Die Erfolgsformel für eine nachhaltiges Christsein lautet: Tue das, was du aus dem Wort Gottes erkannt hast und vertraue darauf, dass die Frucht langsam aufgehen wird!

Unsere Einsätze im Quartier sind für mich eine wunderbare Illustration dieser biblischen Wahrheit. Die ersten Monate waren von vielen Begegnungen geprägt, bei denen niemand wusste, wie nachhaltig diese für das Reich Gottes sein würden. Doch plötzlich trafen wir dieselben Leute immer wieder. Beziehungen entstanden und die Gespräche wurden tiefer. Vor zwei Wochen durften wir die erste Bekehrung feiern. Die Heilungswunder werden intensiver. Und erste Freunde aus der Nachbarschaft tauchen in unseren Gottesdiensten auf.

Ich habe neu für mich erkannt: Frucht für das Reich Gottes entsteht dort, wo man geduldig tut, was man durch einen Impuls vom Heiligen Geist aufs Herz bekommt. Der Teufel wird alles tun, um diesen Impuls möglichst schnell wegzunehmen (Lk8,12). Doch wer das nicht erlaubt und im Glauben weiter voran geht, dem wird eine wunderbare Ernte verheißen.